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Entstehung einer anderen Öffentlichkeit - 20.6.2009
Geschichte der Nürtinger STATTzeitung, Teil 1

 

(th) Die Geschichte der Nürtinger STATTzeitung in den 80er-Jahren wird hier auf der Grundlage von Gesprächen mit ehemaligen Mitarbeitern sowie des Blicks in alte Ausgaben der STATTzeitung skizziert.

Ein oppositionelles Blatt

Seit September 1979 gab der Stadtjugendring das "Nürtinger Blättle" als "Sprachrohr der Nürtinger Alternativ-Kulturscene" (NAKS) heraus. Es gilt als Vorläufer der Nürtinger STATTzeitung. In der letzten Ausgabe war der Aufruf zu einem neuen Zeitungsprojekt abgedruckt: "... Es gibt zahlreiche Gruppen und Personen, die an Problemen und Lösungsmöglichkeiten arbeiten. Die einen blicken hoffnungsvoll auf Nicaragua, und stellen fest, daß sich dort einiges zum Guten tut (tat?). Nur bei uns bleibt alles beim Alten, vieles beim Schlechten. Frauen werden unterdrückt, Kinder mißhandelt, Atomkraftwerke gebaut, alte Menschen durch Umsiedlung entwurzelt, der Staat vor dem Bürger beschützt, Unangepaßte psychiatrisiert, Bücher verboten, Arbeiter an Fließbändern geschändet, usw. Wir meinen wir sollten gemeinsam nach Neuem Ausschau halten und uns bemühen, mehr zu werden. Um wirksam zu werden, müssen wir Formen der Zusammenarbeit finden. Deshalb schlagen wir vor, ein Zeitungsprojekt in Angriff zu nehmen, das folgendem Zweck dient: - Forum der Diskussion in verschiedene Richtung arbeitender Gruppen, - Organ zur Klärung linker Positionen, mit dem Ziel eine gemeinsame Perspektive zu entwickeln schließlich - Sammlung und Organisieren der verschiedenen kritischen Kräfte zur weiteren Verbreitung kritischer Positionen und zum Aufbau von Aktionseinheiten auf kommunaler Ebene, um den Erkenntnissen und Fähigkeiten einzelner zur vollen Wirksamkeit zu verhelfen." Auf diesen Aufruf trafen sich am 16. April 1980 fünfzehn bis dahin nicht als Autoren im "Blättle" Aktive, überwiegend im Alter zwischen 20 und 30. Sie sammelten Ideen, entwarfen ein "Statut" und riefen die "Nürtinger Stattzeitung" ins Leben. In dem Statut heißt es: "Die ‚Nürtinger Stattzeitung' versteht sich als oppositionelles Blatt gegenüber der herrschenden Politik und Meinung". Schon im Namen ist diese oppositionelle Haltung einer Gegenöffentlichkeit angedeutet. In der ersten Ausgabe vom Juli/August 1980 hieß es „In eigener Sache", dass die Bemühungen einiger Leute in den letzten beiden Blättern ihre Vorstellungen von einer anderen Zeitung zu verwirklichen zu Differenzen mit dem Stadtjugendring geführt hätten. Nach Auskunft damaliger Redakteure ging es dabei aber nur um Arbeitsaufwand, Kosten und Organisationsform, was mit der Konstitution der Nürtinger STATTzeitung geklärt wurde.

Redaktionsarbeit

Alle vier Wochen wurde eine Zeitung mit durchschnittlich 32 Seiten erstellt. Für manche der bis zu 20 Redaktionsmitglieder war das in bestimmten Lebenssituationen (Arbeitslosigkeit, lockere Studienphase) die hauptsächliche Beschäftigung - alles ehrenamtlich und unentgeltlich!

Redaktionssitzungen, Recherche, Artikel verfassen und tippen, Veranstaltungstermine zusammentragen erforderten viel zeitlichen Einsatz. Die Seiten wurden im DIN A 3-Format gestaltet und von der Druckerei dann auf DIN A 4 verkleinert. Der erste Layouttisch war ein grünes Apfelkistle mit einer Glasplatte und einem Licht darunter. Die gedruckten Seiten mussten zu Zeitungen zusammengelegt, gefaltet und geheftet werden. Die Auflage der ersten Ausgabe betrug 801 ("eine für'n Verfassungsschutz"). Ab Juli/August 1982 senkte die Redaktion die Auflage auf 550. Zu guter Letzt wurden die Zeitungen an die Verkaufsstellen verteilt und von fliegenden Verkäufern an Schulen, bei Veranstaltungen und an Markttagen in der Fußgängerzone für anfangs 1 DM verkauft. Verkaufsstellen waren damals der Kiosk Zimmermann, die Bücherstube Hauber, der Buchladen Kolibri, das Spinnrädle in der Marktstraße, die Boutique Vix in der Kirchstraße, der Teppichladen Maschajechi in der Brunnsteige und der Buchladen Mäbis in Kirchheim. Später kamen noch weitere dazu. Die Nürtinger STATTzeitung war von den vielfältigen Neigungen und Begabungen ihrer Mitarbeiter geprägt. Alle konnten sich mit ihren Fähigkeiten einbringen, sei es kreatives Schreiben, Tippen, Karikaturen zeichnen, akkurates Gestalten oder Straßenverkauf.

Das STATTzeitungsteam traf sich anfangs zu Redaktionssitzungen und zum Layouten in der Plochinger Straße 8. Ab November 1980 wurden die Redaktionssitzungen im Buchladen Kolibri in der Alleenstraße, später in der Silberburg abgehalten. Die Layout-Wochenenden fanden im Club Kuckucksei und schließlich in der ungenutzten Einliegerwohnung der Eltern eines Redaktionsmitgliedes statt, wo zwei selbst gebaute Lichttische, an denen jeweils zwei Seiten layoutet werden konnten, sowie eine Dunkelkammer zur Verfügung standen.

Finanziert wurde die STATTzeitung durch den Verkaufspreis, einen Zuschuss von monatlich 120 DM vom Stadtjugendring, Werbeeinahmen und Spenden, hauptsächlich vom Club Kuckucksei und der Silberburg.


 


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