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  Politik
 
Jochen Braunmüller leitet den grünen Ortsverband - 7.11.2013

 

(th) Jochen Braunmüller (JB) hat im vergangenen Jahr den Nürtinger Ortsverband von Bündnis 90 / Die Grünen wiederbelebt und wurde kürzlich als Vorsitzender wiedergewählt. Sein Vater, Dieter Braunmüller,  ist Vorsitzender der Gemeinderatsfraktion der Nürtinger Liste / Grüne. Die Stattzeitung (STTZ) traf sich mit Jochen zu einem Interview.

STTZ: Hallo Jochen. Was war für dich der Grund, dich bei den Grünen zu engagieren?
JB
: Ich bin erst etwa 2008 bei den Grünen Mitglied geworden, weil ich mir sicher sein wollte, dass ich da nicht aus familiärer Vorbelastung beitrete. Die Ziele habe ich jederzeit mitgetragen. Den Ortsverband mache ich, weil ich die grünen Ziele vertreten möchte neben dem, was kommunalpolitisch ist. Sicher ist das, was sich hier im Städtchen bewegt, für die Bürger sehr wichtig. Mir ist aber auch das große Ganze wichtig: Wo steuert das Land hin, wo steuert der Landkreis hin, wo steuert der Bund hin, wie will ich leben? Diese Themen möchte ich platzieren und darüber ins Gespräch kommen.
Was mich sehr gefreut hat in diesem Frühjahr war der Mitgliederentscheid, bei dem wir sagen konnten, welche Themen im Wahljahr wichtig sind. Das möchte ich den Leuten sagen: Bevor ihr alle Parteien doof findet und eine neue Partei gründet wie die AfD oder die Piraten, die dann massiv mit ihrer Selbstorganisation beschäftigt sind, geht doch zu den Grünen. Da kann man mitentscheiden, da kann man was bewegen. Über eine Partei wie die Grünen, die sehr auf Mitbestimmung und das Prinzip des Gehörtwerdens setzt, die den Leuten zugewandt ist, kann man sicher schneller was erreichen. Nutzt das, kommt dazu, redet mit, macht der Politik Dampf. Die Grünen sind auch für das Wählen ab 16, das finde ich gut. Wir haben eine grün-rote Landesregierung – besser können die Voraussetzungen nicht sein, um mehr Mitbestimmung durchzusetzen.
Man bräuchte auch im Gemeinderat mehr Leute, die einen Plan haben, was sie in ihrer Stadt umsetzen wollen. Vielleicht wird die Nürtinger Liste / Grüne ja etwas aktiver und die Jungen Bürger etwas jünger und frischer.

STTZ: Du bist vor einem Jahr zum Vorsitzenden des Ortsverbandes von Bündnis 90 / Die Grünen gewählt worden. Wer gehört noch zum Vorstand?
JB
: Zum Vorstand gehören noch Alfred H. Dürr als Schatzmeister und versierter Energiepolitiker sowie Klaus Hauber, der auch evangelischer Kirchengemeinderat ist. So können wir die Arbeit aufteilen. Alfred H. Dürr ist ein grünes Urgestein, der in den 70er Jahren den Ortsverband mit gegründet hat. Klaus ist hingegen noch gar nicht so lange bei den Grünen.

STTZ: Wie lange hatte der Ortsverband bis dahin brach gelegen?
JB
: Es gab hier im Ortsverband wohl etwas schwierige Zeiten, die kenne ich nicht, ich muss das auch nicht wissen. Es gab halt keine Mitgliederversammlungen mehr und keine Vorstandswahlen. Das hing wohl mit dem Ausscheiden von Uschi Eid aus dem Bundestag zusammen, wodurch das Wahlkreisbüro nicht mehr besetzt war. Das hat aber kaum jemand mitbekommen. Die Aktionen liefen trotzdem weiter, Plakate wurden aufgehängt, die Wahlkämpfe wurden gewuppt. Aber es waren immer die gleichen aktiv. Man hat sich nur nicht mehr in einer großen Runde getroffen und alle gesehen, das hat gefehlt.
Ich wollte den Ortsverband wieder hochfahren, damit man da andocken kann. Der Kreisverband hat dann zu einer Ortsmitgliederversammlung eingeladen, auf der der Vorstand mit mir gewählt wurde. Anschließend wurde die Kasse umgeschrieben und ich habe die Mitgliederliste bekommen, damit ich alle anschreiben kann.

STTZ: Wie haben sich die Mitgliederzahlen entwickelt in der Zeit, als der Ortsverband nicht aktiv war?
JB
: Die Mitgliederzahlen blieben stabil. Die grünen Ziele wurden ja weiterhin medial vermittelt. Niemand hat die politische Heimat verloren. Die Mitglieder wurden nur nicht aufgerufen, sich bei Aktionen zu engagieren, was ihnen vielleicht gar nicht so gefehlt hat.
Aber jetzt fangen wir wieder an. Die Mitglieder haben auch Lust, sich zu engagieren. Ein paar jüngere Mitglieder sind sehr präsent und immer dabei.

STTZ Was sind deine Aufgaben als Vorsitzender?
JB
: Im ersten Jahr war meine wichtigste Aufgabe die Mitglieder wieder zusammen zu bringen. Ich habe Stammtische an jedem ersten Mittwoch im Monat organisiert, zu denen jeder kommen kann, wo man sich trifft und sich unterhalten kann. Beim ersten war ich alleine, beim zweiten waren wir drei oder vier und dann gab es mal einen, wo wir zu neunt waren, was super war bei damals 26 Mitgliedern. Und diese Stammtische finden weiterhin statt. 
Ich habe also vor allem eingeladen, Termine rumgeschickt, wo man hingehen kann, Erinnerungen geschickt  - und das funktionierte ganz gut. Jetzt kenne ich die Abläufe und weiß, dass die Leute kommen. Die Leute wissen, dass wir uns einmal im Monat treffen. Es kamen auch neue Mitglieder dazu, unter anderem zwei Studenten, so dass wir jetzt 29 Mitglieder haben. Jetzt ist die Basis da, jetzt können wir loslegen.

STTZ: Welche Aufgaben hat der Ortsverband im grünen Leben?
JB
: Der Ortsverband kann grüne landes- und bundespolitische Themen aufgreifen, was die Gemeinderatsfraktion nicht machen wird.
Es ist ganz wichtig für uns, dass unser Kandidat Matthias Gastel in den Bundestag gewählt wurde. Der Wahlkreis Nürtingen ist zwar landespolitisch hochkarätig besetzt mit Nils Schmid von der SPD, Franz Untersteller und Winfried Kretschmann, der Wahlkreisabgeordneter ist. Aber als Ministerpräsident ist er für den Ortsverband als Ansprechpartner natürlich schlecht greifbar, es fehlt also ein Kontakt. Daher freuen wir uns, dass wir einen Kontakt in die Bundespolitik haben mit einem Abgeordneten, der auch mehr nach Nürtingen arbeiten kann. 
Wir haben auch Veranstaltungen gemacht, die ganz gut angekommen sind. Zum Beispiel haben wir die Biogasthematik mit Professor Carsten Herbes von der Hochschule besprochen. In Nürtingen wird unter Biogas gleich die Speiserestevergärungsanlage der Stadtwerke verstanden. Carsten Herbes hat dargestellt, was Biogas eigentlich ist und inwiefern das überhaupt bio ist. Das war eine sehr gute, lebhafte Diskussion.
Mit der Energiewende wollen wir uns auch als nächstes näher beschäftigen. Energiepolitik ist ja ein Thema in Baden-Württemberg generell und in Nürtingen erst recht.
Kommt die Speisemittelvergärungsanlage? Ist das gut? Wie viel Prozent der Bevölkerung kann diese Anlage versorgen? Da wäre ich ganz dankbar, wenn die sehr gute Öffentlichkeitsarbeit der Stadtwerke noch ein bisschen weiter gehen würde. Was ist, wenn die Anlage riecht? Wer kann da einwirken? Ich möchte vermeiden, dass die Nürtinger über die Stadt oder die Stadtwerke sagen: "Ihr habt euch doch verarschen lassen." Soweit ich weiß werden die Stadtwerke das Gas abnehmen und vermarkten und die Speiserestevergärung wird von der Firma Refood betrieben. Es wäre gut, wenn die Stadtwerke auch an dem Betrieb beteiligt wären, dann könnte man auch geschäftlich reagieren, wenn die Anlage stinkt, und etwas investieren, damit die Bürger nicht belästigt werden.
Energiepolitisches Thema Nummer zwei ist eine Windkraftanlage in Nürtingen. Man hatte schon mal über einen Standort auf dem Galgenberg nachgedacht, der wohl aus dem Vorschlag des Regionalverbandes rausgenommen wurde, weil er nicht ideal sei. Vielleicht ist der Standort aber doch geeignet.
Die Ökowattstiftung mit ihrem Solardächerprojekt wäre auch ein Thema, wenn man sich mit der Energiewende beschäftigt.
Neben der Energiewende wäre es auch interessant, welche Energie Nürtinger für ihre Stadt an den Tag legen, was es bedeutet sie zu beteiligen oder eine Beteiligung ad absurdum zu führen. Dadurch nimmt die Stadt ihren Bürgern Kraft, Mut und Vertrauen, so dass sie sagen, "das nächste Mal mache ich da nicht mehr mit, weil die am Schluss eh machen, was sie wollen." Die Beziehung von engagierten Menschen zu ihrer Stadt funktioniert irgendwann nicht mehr, wenn sie immer wieder enttäuscht werden.

STTZ: Dein Vater ist Vorsitzender der Nürtinger Liste / Grüne im Gemeinderat. Seid ihr immer einer Meinung?
JB
: Nö. Aber das sind meist kleine Dinge, die wir unterschiedlich sehen. Wir sind beide mit Herzblut dabei. Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Unterschriftenaktionen wir gemeinsam durchgeführt haben und in wie vielen Bürgerinitiativen wir waren. Dabei habe ich meinen Vater zunächst als Sohn und jetzt als Grüner unterstützt. Aber ich schaue mir auch an, wie die Politik mit engagierten Bürgern um geht. Hofft man, dass die irgendwann aufhören aktiv zu sein und zu Hause bleiben, wenn man keine Außenübertragung macht und sich alle in den großen Sitzungssaal reinquetschen müssen, wie beim Großen Forst? Könnten wir nicht darauf achten, dass die Leute nicht aus Ernüchterung zu Hause bleiben, sondern weil sie sich gut vertreten fühlen?

STTZ: Wie alt bist du und was machst du beruflich?
JB
: Ich bin 30 Jahre alt und bin beim Trägerverein Freies Kinderhaus zuständig für die Medientechnik und die technische Infrastruktur, damit da alle arbeiten können und die Gebäude miteinander vernetzt sind. Außerdem bin ich selbständig mit einer technischen Unternehmensberatung, die sich aus einer IT-Firma entwickelt hat, mit Kunden überwiegend im Raum Nürtingen.

STTZ: Dann danke ich für das Gespräch


 


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