Forum

  Nachrichten
Kommunalpolitik
Politik
Umwelt
Kultur
Stattzeitung aktuell
Sport
Nürtingen global
Jugend
Personalia
Verkehr
Arbeitswelt
Soziales
Geschichte
Bauen
Presseschau
Wirtschaft
Ausgewähltes
Zukunftsfähiges NT
NTegration
Veranstaltungstipp
Foto der Woche
EssBar
LesBar
Leserbriefe
Kleinanzeigen

  
Terminkalender
Veranstaltungen
Ausstellungen

  
Kulturtipps
Kneipentest
Bücher
Filme
Musik
Lyrik
Reisen
Hörbücher
NTouren
NThörBar
Musikmachende

  Schatzkästle
Fotogalerie
Fortsetzungsroman
Links
Was kochsch du?
Gabi Zapf (Roman)
Fundgrube
Rundschlag
Jahreszeiten
Hausmittel

  Über uns


 

  Soziales
 
AHOI Nürtingen veranstaltete wieder Suppenaktion in der Innenstadt - 30.12.2018
Nürtinger Intitiative für Bettler und ehemalige Bettler

  (mw) Eine warme Suppe mit Fleisch, Würsten, Kartoffeln und Kraut bot AHOI Nürtingen in der Innenstadt an. Bettler, Obdachlose und andere nahmen das Angebot dankbar an.


AHOI ist eine Nürtinger Initiative, die sich in Nürtingen für die Ärmsten der Armen einsetzt, vor allem für aus Not bettelnde Menschen und für die, die vom Betteln weg kommen wollen. Dies beinhaltet die Unterstützung derer, die ihre Situation und die ihrer Kinder verbessern wollen und selber hierbei aktiv sind.

An einem kalten Donnerstagnachmittag im Dezember veranstaltete AHOI eine Suppenaktion in der Nähe der Kreuzkirche. Die Idee hierzu hatte Magdalena S., die sich ehrenamtlich bei AHOI engagiert. Sie hat  die Suppe gekocht, nachdem sie eine Umfrage unter den Bettlerinnen und Bettern Nürtingens gemacht hat. Sie wählten diesmal einen guten slowakischen Eintopf mit Fleisch, Wurst, Kartoffeln und Kraut. AHOI hat die Suppe mit Gaskochern und einem Spirituskocher heiß gemacht. Ob Straßenmusiker, ob Bettlerinnen und Bettler, ob obdachlos oder nicht, ob Flüchtling oder hier geboren, alle haben die Suppe gerne angenommen. In einer Stunde waren der große und der kleine Topf leer. Dazu gab es Brot, heißen Tee und Mandarinen.

Die Stimmung war so gut, dass alle zur Musik tanzten.

AHOI, auch AHOJ geschrieben, ist ein Gruß in Tschechien und der Slowakei, und daher auch bei den ärmsten Romnija und Roma, die in Nürtingen betteln. Viele von ihnen kommen aus der Slowakei, wo ihnen gegenüber oftmals eine Apartheid und in der Folge Perspektivlosigkeit und Armut herrscht. AHOI steht einmal für diesen Willkommensgruß, zum zweiten für Engagement gegen Armut, Hunger und Ohnmacht, die zu oft die Lebensrealität der ärmsten Roma in Nürtingen und deren Familien im Herkunftsland bestimmt. Das „I“ in AHOI steht für Ignoranz gegenüber ihrer Lebensrealität bei den meisten Mitgliedern der Mehrheitsgesellschaft. Diese Ignoranz sowie antiziganistische Äußerungen und Verhaltensweisen führen dazu, dass sich solche armen Roma wegen ihrer Armut in Verbindung mit ihnen gegenüber angewendetem Rassismus dort und hier fühlen - auch behandelt werden, als seien sie „Dreck“ (eigene Aussage). AHOI will Abhilfe oder wenigstens Linderung schaffen.

Es geht somit nicht um Roma allgemein in Nürtingen. Nicht um die, die - oft ohne sich als Roma zu erkennen zu geben - seit ihrer Geburt oder jedenfalls schon sehr lange in denselben Standards wie die Mehrheitsgesellschaft leben und sich diese genauso erarbeiten und erarbeitet haben wie andere auch. Es geht um die extrem Armen und ihre Familien, meist Romnija und Roma, aber auch Nicht-Roma, und um die, die sich nur noch als ehemalige Bettler betrachten müssen. Es geht aber auch darum, die in der Regel ihnen gegenüber vorgefassten und äußerst negativen Meinungen bei der Mehrheitsgesellschaft mit der Lebensrealität aus Not bettelnder Roma zu konfrontieren, um diese im Idealfall durch angemessenere Sicht- und Handlungsweisen zu ersetzen. Es geht darum, dass keine Menschen als Menschen zweiter Klasse behandelt werden oder noch darunter. Auch nicht extrem arme Roma. Vor allem geht es darum, ihnen zu helfen. Ob mit Schlafsäcken und Isoliermatten oder bei der Arbeitssuche.

AHOI strebt vor allen Hilfe zur Selbsthilfe an. Andocken an gleichberechtigte Teilhabe entweder hier in Deutschland oder in Herkunftsländern wie auch Beseitigen antiziganistischer Hemmschuhe sind wichtige Ziele. Gegenseitige Solidarität muss hierbei nicht "beigebracht" werden, sie bestimmt sowieso schon in beeindruckender Weise in aller Regel die gegenseitigen Beziehungen. Viele könnten davon lernen.

In AHOI engagieren sich helfend Romnija und Roma gleichermaßen und gemeinsam mit Nicht-Romnija und Nicht-Roma. Die große Stärke von AHOI ist: Manche der solcherart Engagierten waren früher selber Bettler oder haben selber auf der Straße geschlafen. Oft haben sie selber Diskriminierung und Rassismus erfahren. Dadurch können sie ihr aus eigener Erfahrung gespeistes Expertenwissen einbringen. Andere wiederum haben andere Fähigkeiten, können zum Beispiel übersetzen, ein Fax schicken, Schlafmaterial tagsüber bei sich aufbewahren, oder erklären und Tipps geben, weil sie wissen, wie hier die Verhältnisse sind. Alle sind wertvolle Brückenbauer oder zumindest solche, die Linderung verschaffen.

Das Hauptziel von AHOI ist: Dass die Kinder der Bettler nicht mehr als Bettler – oder schlimmer – leben müssen! Einige davon gehen jetzt auf eine viel bessere Schule als zuvor, wo sie nun eine Perspektive haben.

Das Spendenkonto ist bislang: Park- and Ride-Konto Manuel Werner, EU-Girokonto 7448939341 bei BW-Bank Nürtingen, Stichwort: AHOI, IBAN DE35 6005 0101 7448 9393 41, BIC: SOLADEST600. Dort kann keine Spendenbescheinigung ausgestellt werden, es ist ein privates Unterkonto.

 


Anzeigen




Impressum
© 2004-2019 Nürtinger STATTzeitung