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  Geschichte
 
Die Geschichte der Teufelsbrücke bei Nürtingen-Hardt - 23.10.2010
Historische Informationen

 

(mw) Zwischen Hardt und der Oberensinger Höhe führt die Teufelsbrücke über die Teufelsklinge. Unter einer Klinge versteht man ein – wie mit einer Hiebwaffe (Klinge) gehauenes - tief eingeschnittenes, "v"-förmiges, kleines Tal.
Auffallend ist die massive Bauart und das niedrige Gewölbe, über dem die Steinbogenbrücke mit Bruchsteinen hoch aufgebaut ist. Sie ist Teil einer historischen Verkehrsachse, die über Jahrhunderte Nürtingen mit dem Filderraum und Stuttgart verbunden hat. Als einmaliges Straßenbauwerk aus früheren Jahrhunderten ist es das letzte seiner Art im weiten Umkreis. Laut dem Landesdenkmalamt ist sie ein „gut erhaltenes“ Beispiel der tradierten Brückenbaukunst, dessen Erhaltung auch im verkehrs- und heimatgeschichtlichem Interesse wäre.

Eine sehr alte Steinbrücke

Die entscheidende Dokument (hier im Faksmilie, in Original-Schreibweise zu sehen, unten als Transkription lesbar) zum Alter der Teufelsbrücke war zunächst auf das Jahr 1597 nach Christus datiert worden. Für diese Datierung hatte man sich im Jahr 1860 auf einen offensichtlich älteren Registraturvermerk auf der Rückseite der Urkunde verlassen gehabt. Wenn man allerdings Siegel, Wasserzeichen, Papier sowie die Schriftart dieser historischen Urkunde näher beachtet, dann stammt diese Urkunde nach neuesten Erkenntnissen aus dem Jahr 1497. In ihr ist festgehalten, dass Vogt und Gericht in Nürtingen einen Neubau der „Bruck ob den steingruben zu oberensingen genannt des tüfels bruck“ bei zwei Handwerkern in Auftrag gegeben hatten. Diese neue Brücke sollte breiter ("wyter") werden als der Vorgängerbau. Der Auftrag beinhaltet auch sonst eine erhebliche Vergrößerung der bisherigen Steinbrücke und ist mit einer exakten Leistungsbeschreibung verbunden. Ihm zufolge mussten die Arbeiter "den grund gut graben und die alten bruck abbrechen" sowie "die alten stain omurend" (= "die alten Stein anzumuren“, d. h. anzumauern bzw. wohl beim Neubau wieder zu verwenden). Es war also bereits vor 1497 an dieser Stelle eine steinerne Brücke vorhanden. Weitere Details hierzu können in der Transkription der alten Urkunde nachgelesen werden.

Wer trägt die Unterhaltungskosten - Hardt oder Nürtingen?

Ob es sich bei der Urkunde von 1497 - auch um die „im Archiv aufgefundene uhralte Piece“ handelt, die anlässlich einer Ausbesserung der Brücke im Jahr 1731 erwähnt wird und auf welche sich seither die Verpflichtung der Amtskörperschaft Nürtingen – dem Vorläufer des späteren Kreisverbands Nürtingen – zur baulichen Unterhaltung der Teufelsbrücke gründete, ist ungewiss. Die Urkunde von 1497 wurde jedenfalls im Jahr 1860, als explizit nach der 1731 erwähnten Urkunde gesucht wurde, im Spitalarchiv aufgefunden und hat dann, in einem Streit zwischen der Nürtinger Amtskörperschaft und der Gemeinde Hardt zur Frage der Baulast für die Teufelsbrücke, „als legal anerkannte Urkunde“ eine entscheidende Rolle gespielt.

Ein altes Problem: "...nichts daran reparirt worden"

Die Nürtinger Amtspflegrechnungen und Protokolle der Amtsversammlung im Kreisarchiv Esslingen belegen, dass die Teufelsbrücke in ihrer langen Geschichte regelmäßig instandgesetzt worden ist. Meistens ist das allerdings erst dann geschehen, wenn die Schäden bereits weit fortgeschritten waren. Bezeichnend sind die einleitenden Worte des Nürtinger Amtspflegers Laiblin zur Abrechnung der Sanierungsarbeiten im Jahr 1731: „Diese Bruckh liegt zwischen Oberensingen und Wolfschlugen und brauchen solche alle ins Unterland Gehende und Fahrende; ist darummen zimblich ruinirt gewesen, weil vielen Jahr nichts daran reparirt worden, inmaßen gnädigste Herrschaft nix machen lassen, Stadt und Ambt aber immerzu geglaubt, wir selbige quaest. Bruckh zu unterhalten nicht schuldig. […]“.

Die Ausbesserung im Jahr 1777 wurde von Oberamtmann und Hofrat Karl Friedrich Bilfinger persönlich veranlasst, „da sich seit einiger Zeit an dieser oberhalb Ober-Ensingen auf der Stuttgart-Straße befindlich frequert und unentbehrlichen Brucken eine beträchtliche Schadhaftigkeit hervorgethan, deren man zu Abwendung größeren Schadens und Unglücks in Zeiten abzuhalten bedacht seyn mußte […]“. Oberamtmann Bilfinger war übrigens der Pate des Dichters Friedrich Hölderlin und Freund von Hölderlins Stiefvater, dem Nürtinger Bürgermeister Gock (bzw. Gok).

Nach einer vermutlich eher punktuellen Reparatur im Jahr 1816 ist die Brücke im Jahr 1846, im zeitlichen Zusammenhang mit der bereits geplanten Korrektion der Wolfschlugener Steige, nochmals ausgebessert worden. Zum desolaten Zustand der Teufelsbrücke 1846 ist ein ausführliches Gutachten überliefert.

Eine neue Trasse entsteht

Bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts führte die Straße noch über die Teufelsbrücke und weiter über die Fildern nach Stuttgart. Im Zeitraum 1847-1849 wurde dann die „Hardter Schleife“ über die Teufelsbrücke abgeschnitten. Die Trasse der heutigen Landesstraße 1205 entstand. Sie verbindet nun Nürtingen mit Filderstadt. Die Korrektion der Steige weg von der Teufelsklinge erfolgte auf Kosten der Amtskörperschaft. Die entsprechenden Abrechungsakten der Oberamtspflege, mit Plänen und Profilen der Straße sind im Kreisarchiv Esslingen überliefert.

Wieder Streit um die Unterhaltskosten

Ein im Jahr 1860 geführter und in jeder Hinsicht spannender Streit zwischen der Amtskörperschaft Nürtingen (Beklagte) und der Gemeinde Hardt (Kläger) wegen der Baulast für die Brücke nach der Korrektion der Steige schien zunächst am 12. Dezember 1860 beendet, als Oberamtmann Carl Wilhelm Heinz in einem „Erkenntnis“ zu dem Ergebnis kam, dass die Amtskörperschaft Nürtingen auch nach der Korrektion der Steige Träger der Baulast an der Teufelsbrücke sei, da diese offenbar auf einen speziellen Rechtstitel beruhe.
Zwischen der Amtskörperschaft Nürtingen und der Gemeinde Hardt kam es am 3. Januar 1861 zu einem rechtsverbindlichen Vergleich, der am 30. Juli 1861 auch von der königlich württembergischen Regierung des Schwarzwaldkreises in Reutlingen genehmigt wurde. Demnach hatte die Gemeinde Hardt, gegen Erhalt einer Ablösesumme (Einmalzahlung) der Amtskörperschaft in Höhe von 325 Gulden, im Jahr 1861 die alleinige Baulast für die Brücke übernommen. Hierbei hat sie sich verpflichtet, dringend notwendige Ausbesserungen an der Brücke umgehend durchzuführen, nachdem die Einmalzahlung bei ihr eingegangen sei. Laut Kostenvoranschlag wurden die Ausbesserungskosten auf 121 Gulden und 54 Kreuzer geschätzt. Einen entsprechenden Vollzugsbericht hat die Gemeinde dem Oberamt am 7. Oktober 1861 erstattet. Der Rest der erhaltenen Ablösesumme sollte von der Gemeinde Hardt verzinslich angelegt und nur zweckgebunden für den Erhalt der Brücke verwendet werden.

Das "landschaftlich anziehendste, was es jenseits der Aich zu den Fildern gibt"

Im Jahr 1907 erwähnt der Oberensinger Pfarrer Rauscher die Teufelsbrücke in seiner Studie zum „Pfeifer von Hardt“. Der Pfeifer von Hardt ist nach Wilhelm Hauffs Roman „Lichtenstein“ der engste Vertraute des Herzogs Ulrich von Württemberg. Pfarrer Rauscher beschreibt den Weg von Oberensingen über Hardt zum Ulrichstein und kürt die Brücke zum landschaftlich anziehendsten, was es jenseits der Aich zu den Fildern gibt. Der „Pfeifer von Hardt“ geht auf eine „Sage vom Ulrichstein“ zurück, die Wilhelm Hauff im Jahr 1826 in seinen historischen Roman „Lichtenstein“ eingebaut hat. Laut dieser Sage hat der „Pfeifer von Hardt“ den Herzog Ulrich von Württemberg auf dessen Flucht vor dem Schwäbischen Bund im Jahr 1519 im „Hohlen Stein“ (Ulrichstein)versteckt. Von den Hardter Bauern sei er mit Lebensmitteln versorgt worden. Danach habe der Herzog den Einwohnern von Hardt Steuerfreiheit verschafft. Um zu dem von ihm in einem 1804 entstandenen und 1805 publizierten Gedicht thematisierten "Winkel von Hahrdt" zu gelangen, ist Friedrich Hölderlin wohl auch über die Teufelsbrücke gegangen:

"Der Winkel von Hahrdt

Hinunter sinket der Wald,:
Und Knospen ähnlich, hängen:
Einwärts die Blätter, denen:
Blüht unten auf ein Grund,:
Nicht gar unmündig.:
Da nemlich ist Ulrich:
Gegangen; oft sinnt, über den Fußtritt,:
ein groß Schiksaal:
Bereit, an übrigem Orte."

Abwassertechnische Schlampereien und nicht durchgeführte Instandsetzungen

Schließlich finden sich in den jüngeren Beständen des Kreisarchivs noch zwei für die Teufelsbrücke bedeutsame Vorgänge aus den Jahren 1966 und 1973:

Das damalige Landratsamt Nürtingen als Denkmalbehörde hat die Stadt Nürtingen und die Gemeinde Hardt schon im Jahr 1966 auf den schlechten Zustand der Brücke, die aus seiner Sicht aus denkmalpflegerischen Gründen erhalten werden sollte, hingewiesen und um Mitteilung gebeten, ob bei der Stadt die Bereitschaft besteht, „die alte Teufelsbrücke so zu reparieren, dass ihr Zustand für die nächsten Jahrzehnte gesichert ist.“ Die Stadt hat ihre Bereitschaft erklärt, an der Instandsetzung mitzuwirken und hat die damals noch selbständige Gemeinde Hardt in einem Schreiben vom 13.07.1966 ebenso hellsichtig wie mahnend auf das heute noch bestehende Kernproblem der Brückengefährdung hingewiesen:
„Die Ursachen, die zu den Schäden an der Brücke geführt haben, dürften wohl hauptsächlich davon herrühren, dass das gesamte Tagwasser… seit Jahren auf die Brücke zufloss, dort angestaut wurde und zwischen den beiden Widerlagern versickert ist. Auch der jetzige Zustand der Kanalisierung des ausgebauten bzw. angebauten Straßenzugs wird bei starken, wolkenbruchartigen Niederschlägen ein Überspringen der vorhandenen Einlaufschächte verursachen, so dass nach wie vor die Brücke bzw. der Fahrbahnbelag in Mitleidenschaft gezogen wird. Das gesamte Tagwasser der Strasse von Hardt müsste abwassertechnisch vor der Brücke bzw. dem Straßenkörper der Brücke abgefangen und dem Talbach zugeleitet werden.“ (KrAES D 1 unverz. Az. 657.1)

Im Eingemeindungsvertrag zwischen der Stadt Nürtingen und der Gemeinde Hardt vom 27. Dezember 1972 wurde vereinbart, dass die Stadt Nürtingen die Teufelsbrücke für den Fußgängerverkehr instandsetzt (KrAES EN 461 Bü. 42).

Aktuelle Fotos der Teufelsbrücke sind in unserem Artikel "Ein altes Brückle in Nöten" zu sehen.

*

Diese Informationen zur Historie der Teufelsbrücke beruhen zum großen Teil auf einer Zusammenstellung des Vorsitzenden der Regionalgruppe Nürtingen des Schwäbischen Heimatbundes, Horst Ansel, sowie auf Mitteilungen von Ingrid Dolde vom Hölderlin-Nürtingen e.V. und von André Kayser vom Kreisarchiv Esslingen.

Das historische Foto der Teufelsbrücke (Kreisarchiv Esslingen S 1 PA 233) sowie die Urkunden in den uploads (Kreisarchiv Esslingen B 10 Bü. 396) sind mit Genehmigung des Kreisarchivs Esslingen veröffentlicht. Sie unterliegen der CC-Lizenz vom Typ „Namensnennung – Keine kommerzielle Nutzung 3.0 Deutschland“.


 


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