Forum

  Nachrichten
Kommunalpolitik
Politik
Umwelt
Kultur
Stattzeitung aktuell
Sport
Nürtingen global
Jugend
Personalia
Verkehr
Arbeitswelt
Soziales
Geschichte
Bauen
Presseschau
Wirtschaft
Kurznachrichten
Zukunftsfähiges NT
NTegration
Foto der Woche
EssBar
LesBar

  
Terminkalender
Veranstaltungen
Ausstellungen

  
Kulturtipps
Kneipentest
Bücher
Filme
Musik
Lyrik
Reisen
Hörbücher
NTouren
NThörBar
Musikmachende

  Schatzkästle
Fotogalerie
Fortsetzungsroman
Links
Was kochsch du?
Gabi Zapf (Roman)
Fundgrube
Rundschlag
Jahreszeiten
Hausmittel

  Über uns


 

  Geschichte
 
Gedenkinitiative Nürtingen geht an die Öffentlichkeit - 19.11.2013
Rekonstruktion der Schicksale lokaler NS-Opfer und Anregung für ein Gedenkobjekt an zentralem Platz

 

(mw) Die Gedenkinitiative Nürtingen rekonstruiert die Schicksale lokaler NS-Opfer und regt ein Gedenkobjekt an einem zentralen Platz an. Nach langer Zeit der Vorbereitung geht sie nun an die Öffentlichkeit.

Warum eine Gedenkinitiative? Weshalb engagieren sich Nürtinger in dieser Richtung? Aus unterschiedlichen Motivationen engagieren sich die derzeitigen Mitglieder der Initiative. Margret und Reinhard Fuchs leben seit 1972 in Nürtingen. "Im Laufe der Jahre haben wir Nürtinger nach den Geschehnissen im Nationalsozialismus vor Ort befragt. Ausführliche Informationen erhielten wir wenig.“ Ein wichtiger Beweggrund ist ihnen, dass „die Opfer durch Nennung ihrer Namen ihre Würde zurückerhalten“. Auf dem Alten Friedhof am Neckar verglichen die Mitglieder der Initiative die Gedenkaktivitäten, Monumente und Gedenksteine für die Gefallenen und  den Gedenkstein der so genannten Heimatvertriebenen mit der Erinnerung an die Zwangsarbeiter, die dort ebenfalls begraben liegen. Deswegen suchten sie die so genannten Russengräber und waren entsetzt, dass sie als solche gar nicht erkennbar sind. Dem Lehrer Stefan Kneser ist es ein Anliegen, an die NS-Opfer „mit Respekt und Trauer zu erinnern und ihre konkreten Schicksale öffentlich zu machen“. Die Krankenschwester Anne Schaude arbeitet mit, weil ihr wichtig ist, dass es „nie wieder geschehen darf, dass Menschen über den Wert oder Un-Wert eines Menschenlebens entscheiden!“  Sie weiß: „Schwestern und Pfleger beteiligten sich an der Vorbereitung, Begleitung und Entsorgung von Transporten mit körperlich und geistig behinderten Menschen in die Gaskammern.“ Michaela Saliari schockierte vor allem die „Erkenntnis, dass Sinti und Roma bei uns seit 1945 (immer noch!) ein Schattendasein, ein Leben im Verborgenen führen müssen, denselben Anfeindungen und Vorurteilen wie eh und je hartnäckig ausgesetzt“. Das „war Nährboden für weitere Fragen“. Sie legt dar: „Das Jetzt kann ich nur verstehen und für das Morgen ein gutes Saatbett bereiten, wenn das Dunkel der Vergangenheit erhellt, wenn das Zuunterste nach oben, ans Licht und an die Luft gebracht wird. Es ist eine Spurensuche mit dem Ziel, den gequälten, leidenden und ermordeten Menschen ihre Würde, dem Land diese seine Menschen und diesen Menschen ihr Land zurückzugeben.“

Historie

Seit 2008 begann sich die Idee bei einigen der derzeitigen Migtgliedern herauszukristallisieren. Vor zweieinhalb Jahren wurde der Plan konkret. Warum gibt es immer noch kein Gedenkobjekt für die Nürtinger NS-Opfer und wie könnte man dies initiieren? Welche Form ist für Nürtingen die geeignete, wie ein solches Gedenkobjekt Gestalt annehmen kann? Welche NS-Opfer gab es? Wie sahen ihre Schicksale aus? In welcher Form kann eine Informationsquelle geschaffen werden, auf die schnell zugegriffen werden kann? Die "Gedenkinitiative für die Opfer und Leidtragenden des Nationalsozialismus in Nürtingen" formierte sich. Seit geraumer Zeit finden regelmäßige Treffen statt.

Noch nicht festgelegt

Nach einem intensiven Klärungsprozess mit zahlreichen Diskussionen, Informationen über bereits bestehende Gedenkmöglichkeiten in anderen Städten, und Reflexion ist für die Nürtinger Gedenkinitiative noch völlig offen, in welcher Form ein solches Gedenkobjekt Gestalt annehmen kann und konkret für Nürtingen passend und effektiv ist. Diese Offenheit muss kein Nachteil sein. Einigkeit herrscht darin, dass ein solches Gedenkobjekt an einem prominenten, belebten Ort platziert werden sollte und nicht abseits. Konsens ist außerdem, dass alle Opfergruppen miteinbezogen werden sollen, Opfer der „Euthanasie“-Morde, Zwangsarbeiter, Juden, Sinti, Opfer der Zwangssterilisationen, politisch Verfolgte, Homosexuelle, so genannte Asoziale, wegen ihres Glaubens Verfolgte, die Liste ist offen. Parallel hat die Gedenkinitiative intensive Recherchen zu den Schicksalen durchgeführt, außerdem konnte sie auf bereits Erarbeitetes zurück greifen. Sehr gute Unterstützung erhielt sie vom  Stadtarchiv Nürtingen, ebenso führte sie Recherchen in anderen Archiven, Gedenkstätten und mit Zeitzeugen durch.  Nachdem nun erste Ergebnisse vorlagen, entschied sich die Gruppe, eine Website zu erstellen, die Teil des Gedenkobjekts ist, und an die Öffentlichkeit zu gehen. Nicht nur Barbara Dürr findet, „es wäre dringend an der Zeit, an einer öffentlichen Stelle, an einem Platz in der Stadt, die Nürtinger Opfer und Leidtragenden des Nationalsozialismus im Gedächtnis zu halten.“

Warum an die Öffentlichkeit?

Die Gedenkinitiative sieht die Zeit gekommen, sich für weitere Interessierte zu öffnen. Zudem möchte sie einladen, ihr Informationen und Hinweise anzubieten. Ähnliche Intentionen könnten integriert werden. Auch ist es so weit, dass genügend erste Informationen bereitgestellt werden können, die nun frei zugänglich sind. Deshalb veröffentlicht sie auch ihre ehrenamtlich erarbeitete Website: ns-opfer-nt.jimdo.com. Sie dient als Informationsquelle, als Plattform und Möglichkeit, sich einzubringen. Wertvoll kann sie unter anderem für Lehrer, Schüler und Jugendarbeit sein, denn lokale Beispiele sind konkreter als bloße Vermittlung allgemeiner Informationen, Nürtingen für Nürtinger anschaulicher als die Reichskanzlei. Jakob Fuchs machte als Schüler ähnliche Erfahrungen: „Ich bin in Nürtingen geboren und habe hier bis zur zehnten Klasse (2003) das Gymnasium besucht. Schon als Schüler wunderte ich mich, dass die Zeit des Nationalsozialismus erst sehr spät, und dann auch nur sehr allgemein behandelt wurde. Man erfuhr von den Ereignissen in Berlin und München, Dachau und Buchenwald. Über die Zeit Nürtingens im Nationalsozialismus konnte ich dagegen wenig in Erfahrung bringen. Das Thema „1933-1945“ bleibt somit abstrakt und ehrlich gesagt aus Schülerperspektive auch ziemlich langweilig. In meinem Studium in Tübingen tauchten dagegen immer wieder die Namen von Nürtingerinnen und Nürtingern aus dem besagten Zeitraum auf. Wie wäre es, mehr über sie zu erfahren? Nicht, um sie zu glorifizieren oder zu beurteilen, sondern um zu zeigen, dass es unsere Stadt, wie jede andere auch, von 1933-1945 gegeben hat. Welche Hoffnungen und Träume hatten diese Menschen, welches Leid und welche Ängste mussten sie erfahren? Wenn es keine Gedenktafel und keine Informationen auch für die Verfolgten dieser Zeit gibt, klafft eine Lücke.“ Stefan Kneser ergänzt hierzu: „Als Geschichtslehrer sehe ich es als eine meiner wichtigsten Aufgaben, das Interesse an diesen Fragen auch bei heutigen Jugendlichen zu wecken“. Manuel Werner hat oft gehört: „Das ist alles schon so lange her, da muss endlich mal Schluss sein!". Er meint dazu: „Wer solches sagt, der hat in der Regel noch gar nicht angefangen. Doch die Erinnerung braucht uns - und die Zukunft auch!“

Kontakt:

Es gibt mehrere Kontaktmöglichkeiten zur Initiative, einmal über das Kontaktformular auf deren Website und zum anderen über die Postadresse:
Gedenkinitiative Nürtingen, Plochinger Straße 14 a, 72622 Nürtingen.
In den Briefkasten dort können auch Nachrichten eingeworfen werden, man findet ihn hinter dem Gebäude 14a, integriert in einen roten Sammelbriefkasten. Zum anderen kann man auch die derzeitigen Mitglieder ansprechen: Barbara Dürr, Jakob Fuchs, Margret und Reinhard Fuchs, Stefan Kneser, Michaela Saliari, Anne Schaude und Manuel Werner.


 


Anzeigen




Impressum
© 2004-2017 Nürtinger STATTzeitung