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  Geschichte
 
„Er sah sich als freier Mensch“ - 22.11.2018
Denk-Ort (20): Otto Schober, Gewerkschafter

  Am „Denk-Ort“ an der Nürtinger Kreuzkirche erinnert die Gedenkinitiative zusammen mit der Stadt im Wechsel an einzelne Opfer und Leidtragende des Nationalsozialismus in Nürtingen und Umgebung. Derzeit präsentiert man dort einige Sätze zu Otto Schober.

Wolfschlugen. Otto Schober, geboren 1900 in Wolfschlugen, stammte aus der protestantischen Familie der „Bote-Schober“. Sein Großvater war im Ort der erste Post-Spediteur der Königlich-Württembergischen Post. Nach seiner Mechaniker-Lehre bei Heller in Nürtingen arbeitete er bei der Daimler Motorengesellschaft in Untertürkheim im Flugzeug-Motorenbau.

Schon ab 1921 engagierte sich Otto Schober in der Gewerkschaft. Er war Mitglied der SPD, der Arbeiterwohlfahrt und der Naturfreunde, Orts-Gemeinderat ab 1928 und im Vorstand des „Arbeiter-, Turn- und Sportverein“. Sein Vater habe sich als freier Mensch gesehen, so sein jüngster Sohn.

Nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler war es mit der Freiheit aus. In den Morgenstunden des 2. April 1933 wurde Otto Schober verhaftet und in „Schutzhaft“ genommen auf dem Heuberg, zusammen mit Wilhelm Drees, Richard und Wilhelm Stoll, Ernst Hoss und Bildhauer Eugen Maier.

Im KZ Heuberg gab es kaum Verbindung nach Hause. Schreiben war eingeschränkt, Besuch nicht erlaubt, Schikanen gang und gäbe. Zum Essen gab es Malzkaffee und „ein halbes Rädle Brot“. Drei Eimer dienten für dreißig Mann im Raum als Toilette. Die Häftlinge kamen verwahrlost und ausgemergelt aus dem KZ zurück. Zum Glück fanden die Angehörigen Rückhalt bei ehemaligen Sportkameraden und Treffen im „Rössle“.

Aus dem KZ entlassen, musste Otto Schober ohne Schuhe bei der Begradigung der Aich mitarbeiten. Das Volkslied des Oberensinger Pfarrersohns Friedrich Glück „In einem kühlen Grunde…“ bekam nun für ihn eine ganz andere Bedeutung. Zuletzt wurde er bis Kriegsende einer Munitions-Fabrik in Uhingen zur Arbeit zugewiesen. Seine Frau überlebte mit ihren drei Kindern nur durch Mithilfe bei ihrer Mutter in der Landwirtschaft.

Engagement nach dem Krieg

1945 wurde Otto Schober von der amerikanischen Verwaltung in Nürtingen als kommissarischer Bürgermeister in Wolfschlugen eingesetzt. Eine seiner ersten Amtshandlungen war eine Weihnachtsfeier im „Löwen“ für die Flüchtlinge und Heimatvertriebenen. Ihre Unterbringung durch Zuweisung von Wohnraum brachte ihm nicht nur Freunde ein. Dennoch wurde er 1946 demokratisch wiedergewählt. Bis zur Währungsreform 1948 ging es um existentielle Fragen wie Lebensmittel- und Wasserversorgung, Wiederaufbau der von den Nazis zerschlagenen Orts- und Gemeinschafts-Strukturen, ein Dach über den Kopf, Lehrer für die Schule. Anliegen Schobers waren die Straßenbahn-Anbindung an Esslingen und die Schaffung von Arbeitsplätzen durch Ansiedlung von Firmen wie Festo. Bei der Wiederwahl setzte er sich in der Bauern- und Handwerker-Gemeinde nicht durch. Ab 1947 im Vorstand des Turn- und Sportvereins, unterstützte er 1952 ein Jugendsportheim in Eigenleistung. Als Gewerkschafter „der ersten Stunde“ engagierte er sich mit Lothar Zimmermann und Willi Bleicher beim Wiederaufbau der Gewerkschaftsarbeit und der Firmen, die von Kriegs- auf Zivilgüterproduktion umgestellt werden mussten, sowie für die Unterstützung der Familien der Kriegsgefallenen. Bis 1964 war er Bevollmächtigter im IG-Metall-Kreisverband Esslingen. Für die SPD war er 25 Jahre im Kreistag Nürtingen aktiv.

Einen Antrag auf Wiedergutmachung gab er nicht ab.
Erst bei der Trauerfeier 1983 erfuhr seine Familie, wie sehr sein politisches und soziales Engagement von zahlreichen Organisationen und Vereinen geschätzt war.

Dieser Artikel ist der 20. im Rahmen einer Serie, in der wir die Menschen hinter dem „Denk-Ort“ präsentieren. Mehr über Otto Schober kann man auf der Webseite www.gedenken-nt.de erfahren.

Text: Iris Raupp
Foto: pm


 


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