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  Geschichte
 
Im Widerstand gegen die NS-Diktatur, dann DDR-Bürger - 14.5.2019
Denk-Ort (23): Hermann Höss , Kommunist

  Am „Denk-Ort“ an der Nürtinger Kreuzkirche erinnert die Gedenkinitiative zusammen mit der Stadt im Wechsel an einzelne Opfer und Leidtragende des Nationalsozialismus in Nürtingen und Umgebung. Derzeit liest man dort einige Sätze zu Hermann Höss.

Hermann Höss wuchs mit drei Stiefgeschwistern in Unterensingen auf. Seine Mutter Rosina Schäfer stammte aus dem „Rössle“ in Wolf-schlugen. Nach seiner Lehre als Zimmermann arbeitete er in Reutlingen als Möbelschreiner. Er war Mitglied der Roten Bergsteiger. Diese Thälmann und Trotzki nahe stehende KPD-Widerstandsgruppe war im „Dritten Reich“ aus Arbeiter-bewegung und Naturfreunden entstanden. 1933 wurde Höss im KZ Heuberg in „Schutzhaft“ genommen. 1935 wurde er wegen „fortgesetzter Untergrund-tätigkeit“ mit Eugen Maier und anderen erneut verhaftet. Nach eineinhalb Jahren Untersuchungshaft in Stuttgart und Vernehmungen im „Hotel Silber“, Sitz der Politischen Polizei, lautete das Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart 1937 auf drei Jahre Zuchthaus, wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“.

Von 1937 bis 1940 kam Höss als politischer Häftling zur Zwangsarbeit im Moor in die Emsland-Lager bei Papenburg. 1933 war dort das  „Moorsoldaten-Lied“ entstanden. Es wurde zur Hymne des NS-Widerstands, in Spanien das Lied der Internationalen Brigaden, in Frankreich das Lied der Résistance.

Ab 1940 war Höss Häftling im KZ Buchenwald vor den Toren von Weimar. Er arbeitete in den Steinbrüchen als Bauschreiner. Diese Arbeit galt als die härteste. Mithäftlinge waren Ernst Thälmann, Willi Bleicher, Dietrich Bon-hoeffer, Paul Schneider, Bruno Apitz, Léon Blum, Edouard Daladier, Jean Améry, Stéphane Hessel, Imre Kertész. Viele Gefangene wurden ermordet oder starben an den unmenschlichen Bedingungen und medizinischen Versuchen. Sowjetische Kriegsgefangene wurden sofort erschossen. Die Inschrift des Lagertors „Jedem das Seine“ wurde von Bauhaus-Architekt und Mit-Häftling Franz Ehrlich auf Befehl der Nationalsozialisten entworfen. Zur Unterhaltung der SS war das Lied „Steht ein Dörflein mitten im Walde“ Teil des täglichen Appells. Heute ist das „Buchenwald-Lied“ fester Bestandteil von Gedenkfeiern zum Jahrestag der Befreiung.

Kurz vor der Befreiung schickte die SS 28.000 Häftlinge, über die Hälfte, auf Todesmärsche. Am 11. April 1945 erreichten Einheiten der 3. US-Armee Weimar. Häftlinge des geheimen Widerstands öffneten das Lager von innen. Die Kapitulation wurde am 8. Mai unterzeichnet, dem Geburtstag von Hermann Höss. Die Selbstbefreiung der Gefangenen wurde später in der DDR mit dem Roman „Nackt unter Wölfen“ von Bruno Apitz zur Pflicht-Lektüre und zum Gründungs-Mythos der DDR. Der Roman wurde 1963 mit Armin Mueller-Stahl verfilmt. Mit den Leichenbergen konfrontiert, gab die Mehrheit der Einwohner von Weimar an, nichts oder wenig von den Vorgängen im Lager gewusst zu haben. Die Zahl der Todesopfer wird auf 56 000 geschätzt.

DDR-Bürger

Hermann Höss gründete eine Familie in Bad Sulza, hielt aber Kontakt nach Unterensingen, auch nach dem Mauerbau 1961. Nach Gründung der DDR 1949 teilte er zunächst die Aufbau-Euphorie der ersten Jahre, war aber nicht in die SED eingetreten. Den Mauerbau befürwortete er nicht. „Wie die das umsetzen, entspricht nicht unseren Idealen“. Er arbeitete weiter in den Steinbrüchen und zog sich ins Privatleben zurück. Doch habe er seinen Kindern oft noch das „Moorsoldaten-Lied“ vorgesungen. Der solidarische Widerstand der Roten Bergsteiger wurde 1967 in der ersten Fernsehserie der DDR verfilmt.

1970 starb Hermann Höss mit 61 Jahren, an Herz-Problemen, vor der Öffnung der Mauer 1989.

Dieser Artikel ist der 23. im Rahmen einer Serie, in der wir die Menschen hinter dem „Denk Ort“ präsentieren. Mehr über Hermann Höss kann man auf der Webseite www.gedenken-nt.de erfahren.

Text: Iris Raupp
Foto: pm




 


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