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  Zukunftsfähiges NT
 
Mensch und Natur sind eins - 20.3.2015
Beim dritten philosophischen Café ging es um die ökologische Frage

  (forumNT) „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ Um diese Sentenz des Sozialphilosophen Theodor W. Adorno kreiste zunächst das Gespräch am vergangenen Sonntag beim dritten Nürtinger philosophischen Café in der Alten Seegrasspinnerei. Motiviert war dieser Austausch durch die Ausgangsfrage: „Welche Gedanken und Gefühle haben wir, wenn wir etwas ökologisch Bedenkliches tun wie übermäßig viel Fleisch zu konsumieren oder mit dem Flugzeug zu verreisen?“

Grundtenor der Antworten war, dass es in einer Gesellschaft, in der das Gewinnstreben an erster Stelle stehe, schwierig sei, ökologisch verantwortlich zu handeln. Auch Sven Simon, der Mitbegründer des „Forum zukunftsfähiges NT“ und geladener Experte an diesem Morgen, sah es pragmatisch: Das Leben sei ein Kompromiss, perfekt könne man nicht sein, dennoch sollte man in allen Bereichen nach seinen Möglichkeiten etwas tun. 

Weiter führte er aus, dass wir Menschen uns heutzutage in einem Widerspruch befänden: Einerseits entfernten wir uns mehr und mehr von der Natur, andererseits blieben wir unwiderruflich ein Teil von ihr. Auf letzteres sollten wir uns wieder mehr besinnen und entsprechende Lösungsvorschläge der Wissenschaft ernst nehmen. Simon nannte hier unter anderem „Cradle to Cradle“ (deutsch: „von der Wiege zur Wiege“) - gemeint sind damit sinnvolle Stoffkreisläufe, bei denen die Dinge nicht einfach auf dem Müll landen, sondern vollständig wiederverwertet oder als Kompost wieder dem natürlichen Kreislauf zugeführt werden.

Simon ergänzte, dass viele Fehler vermeidbar wären, wenn man sie wahrnehmen würde. Es gäbe inzwischen eine Vielzahl von ökologisch sauberen Lösungen, woran es aber hapere sei die Umsetzung. Im Gespräch zeigte sich, dass die Gründe hierfür ein weites Feld seien. Simon zufolge ist die Ursache für viele Probleme nicht die Knappheit der Ressourcen: „In vielen Bereichen verursachen wir die Knappheit erst durch Verschwendung und ungerechte Verteilungssysteme.“ 

Als Beispiel nannte Simon die Probleme der Nahrungsversorgung: „Tatsächlich könnte die Landwirtschaft schon heute problemlos 13 Milliarden Menschen ernähren. Es gibt also noch keinen Mangel an Ackerland. Überproduktionen der Industrieländer und die zunehmende Verschwendung von Ressourcen verhindern jedoch vielerorts eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung. Damit halten wir viele Menschen in unnötiger Armut. Und diese Menschen haben dann tatsächlich unter einer Nahrungsknappheit zu leiden, obwohl weltweit eigentlich genügend Nahrung produziert wird.“ Erstrebenswert und wichtig wäre es deshalb, auf politischer Ebene die Rahmenbedingungen zu ändern, damit Menschen menschenwürdig und zugleich ökologisch verantwortlich leben könnten. Dafür könne sich jeder Einzelne engagieren, politisch und privat.

In den Gesprächen kristallisierte sich zudem heraus, dass – einer Einsicht des Philosophen Erich Fromm folgend – viel gewonnen wäre, wenn das Sein bedeutsamer würde als das Haben. Für ersteres böten insbesondere die Kunst sowie soziale und persönliche Beziehungen wichtige Erfahrungsfelder. So könnten sich die Menschen untereinander und auch mit der Natur mehr verbunden fühlen. Darüber hinaus stellten diese beiden Felder Ressourcen dar, die uns nicht nur unendlich bereichern könnten, sondern auch wirklich unerschöpflich seien.

Nach all diesen Ausführungen blieb leider nur noch wenig Zeit, auf die zweite Impulsfrage einzugehen: Ob wir angesichts der ökologischen Krise auf die Freiwilligkeit aller Beteiligten setzen sollten oder auf gesetzlichen Zwang, dazu gingen die Meinungen auseinander: Einige waren sehr wohl für strengere Verordnungen, allerdings nur, wenn sie demokratisch legitimiert seien, andere betonten die Freiwilligkeit, weil man sich nur so mit der ökologischen Dringlichkeit wirklich identifiziere.

Am Ende stand das Gedicht „In dir die Erde“ des chilenischen Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda. Was dieses mit der ökologischen Frage zu tun hat, ließ der Moderator Thomas Oser offen – der Schlussvers lautet: „… und ich neige mich zu deinem Mund, die Erde zu küssen.“

Das nächste philosophische Café des „Forum zukunftsfähiges NT“ findet am 26. April statt, dann wird es mit Klaus Nägele um die Frage gehen: „Konkurrenz und/oder Kooperation?“

Ursula Gösele und Thomas Oser 

 


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