Forum

  Nachrichten
Kommunalpolitik
Politik
Umwelt
Kultur
Stattzeitung aktuell
Sport
Nürtingen global
Jugend
Personalia
Verkehr
Arbeitswelt
Soziales
Geschichte
Bauen
Presseschau
Wirtschaft
Kurznachrichten
Zukunftsfähiges NT
NTegration
Foto der Woche
EssBar
LesBar

  
Terminkalender
Veranstaltungen
Ausstellungen

  
Kulturtipps
Kneipentest
Bücher
Filme
Musik
Lyrik
Reisen
Hörbücher
NTouren
NThörBar
Musikmachende

  Schatzkästle
Fotogalerie
Fortsetzungsroman
Links
Was kochsch du?
Gabi Zapf (Roman)
Fundgrube
Rundschlag
Jahreszeiten
Hausmittel

  Über uns


 

  Zukunftsfähiges NT
 
Von der Vermessenheit des Messens - 24.5.2015
Beim fünften „denk-art“-Café stand der Quantenphysiker Hans-Peter Dürr im Fokus

  (forumNT) „Es ist vermessen, alles vermessen zu wollen.“ Mit diesem prägnanten Satz umschrieb am Sonntag beim fünften philosophischen Café denk-art in der Alten Seegrasspinnerei Alfred Dürr das Denken seines Berufskollegen und Namensvetters Hans-Peter Dürr anlässlich dessen ersten Todestages.

Der Quantenphysiker habe Alfred Dürr zufolge grundlegende  Schlüsse von seinen physikalischen Erkenntnissen auf ein zukunftsfähiges gesellschaftliches Leben gezogen und sich auch politisch entsprechend engagiert – so zum Beispiel gegen die Atomrüstung und die so genannte friedliche Nutzung der Kernenergie.  Er beherzigte damit einen Rat seiner philosophischen Lehrerin Hannah Arendt, die zu ihm einmal sagte: „Du musst dich einmischen, du musst ein Grenzgänger sein!“

Der Träger des alternativen Nobelpreises habe Wissenschaftlern und Technikern deutlich vor Augen geführt, so Alfred Dürr, dass sie einem falschen Mythos aufsäßen: Diese würden nämlich größtenteils glauben, dass alles berechnen-, plan- und kontrollierbar sei. Durch ein Experiment mit einem Tripelpendel machte Alfred Dürr das Gegenteil anschaulich: Die Bewegungen dieses Pendels lassen sich gleich von Start an nicht vorhersagen. Dies weise darauf hin, so Alfred Dürr, dass die Wirklichkeit letztlich nicht vollständig determiniert, sondern im Grunde chaotisch und nichtlinear beschaffen sei.

„In unserer Welt ist alles mit allem in einer nicht vollständig erfassbaren Komplexität miteinander verbunden. Der Mensch ist Teil dieser vernetzten Welt, in der sich sein individuelles Verhalten auf die Gesamtsituation auswirkt.“ Mit dieser Einsicht räumte dem Referenten zufolge Hans-Peter Dürr mit der verbreiteten Vorstellung auf, wir Menschen könnten die Welt von außen und objektiv beobachten. Wahr sei vielmehr, dass der Beobachter zu jeder Zeit in das Geschehen involviert sei.

Darüber hinaus sei für Hans-Peter Dürr die Wirklichkeit keine dingliche Realität, sondern sie offenbare sich primär als Möglichkeitsfeld, das nicht auf materiellen, sondern auf geistigen Prinzipien beruhe. Deshalb hätte Hans-Peter Dürr auch nicht mehr von Atomen gesprochen, sondern von „Wirks“. Damit habe er zum Ausdruck gebracht, dass nicht zuletzt das menschliche Handeln in der Welt ausschlaggebend sei.

Nach der ausführlichen Einführung entspann sich eine rege Diskussion unter den knapp 30 Gästen: Dabei wurden quantenphysikalische Finessen ebenso erörtert wie gesellschaftliche Veränderungen, die diese Weltsicht nahe legt. So dürfe in der Pädagogik nicht Pisa der letzte Maßstab sein, vielmehr solle es um ein zieloffenes, kreatives Lernen gehen. In der Wirtschaft und in der Gesellschaft gelte es Wege zu finden, die Alternativen zum Diktat des Profits erschließen.

Deutlich wurde in der Diskussion aber auch, dass die Einsichten der Quantenphysik eine riesige Herausforderung für jeden Einzelnen darstellen – denn: Wer wolle und könne schon in jedem Moment für Neues offen sein? Zu übermächtig seien mitunter unsere Trägheit und unsere Angst vor Kontrollverlust.
Am Ende des philosophischen Cafés trug eine Zuhörerin ein zum Thema passendes Gedicht des romantischen Lyrikers Novalis vor: „Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren / Sind Schlüssel aller Kreaturen […] / Und man in Märchen und Gedichten / Erkennt die wahren Weltgeschichten, / Dann fliegt vor Einem geheimen Wort / Das ganze verkehrte Wesen fort.“  

Das nächste „denk-art“-Café findet am 21. Juni um 11 Uhr in der Alten Seegrasspinnerei statt: Christine Engel und Thomas Oser werden die Frage aufwerfen, wie die Natur zu retten sei.



 


Anzeigen




Impressum
© 2004-2017 Nürtinger STATTzeitung