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  Zukunftsfähiges NT
 
Ein anarchistischer Schöngeist aus Nürtingen - 4.5.2016
Frank Ackermann stellte im Café denk-art die Gedankenwelt des jungen Hölderlin vor

  (forumNT) 1796: Drei junge Freigeister, die sich eigentlich verpflichtet hatten, Priester zu werden, sinnieren in Frankfurt angeregt und auf schwäbisch darüber, wie die festgefahrene Welt aus den Angeln gehoben werden kann. Inspiriert sind sie nicht nur von Kant und Fichte, sondern auch von der griechischen Antike und den Idealen der französischen Revolution. Herausgekommen ist dabei eine kurze Schrift, der später der Titel gegeben wurde „Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus“  - verfasst von niemand anderem als Hegel, Schelling und eben Hölderlin.

Auf Einladung des Forums zukunftsfähiges Nürtingen, der Volkshochschule und der nn-akademie  präsentierte Frank Ackermann, Leiter des philosophischen Cafés im Stuttgarter Hegelhaus, die Jugendgedanken dieser drei schwäbischen Denker am vergangenen Sonntag vor knapp 50 Besuchern in der Alten Seegrasspinnerei. Im Zentrum stand dabei die Gedankenwelt des jungen Hölderlin.

Deshalb las der Referent auch zunächst vor, wie Peter Härtling in seinem Hölderlin-Roman diese geschichtsträchtigen Zusammenkunft beschrieben hat. Demnach trafen sich die drei Schwaben im Hause des Frankfurter Bankiers Gontard, wo Hölderlin nicht nur als Hauslehrer beschäftigt war, sondern auch in Gestalt der Hausherrin Susette Gontard seine große Liebe fand. Diese wurde später das Vorbild für die literarische Gestalt der Diotima.

In das Gespräch der drei brachte jeder seine Zentralgedanken mit ein. Ihnen gemeinsam war die Überzeugung, dass der Mensch absolut frei ist und deshalb auch demgemäß leben solle. Mit der Existenz eines Staates, der für die drei Geister nichts anderes als ein „mechanisches Räderwerk“ darstellte, war das nicht vereinbar, weshalb sie seine Abschaffung forderten. Sie vertrauten darauf, dass die Menschen mit Unterstützung der Philosophie, der Religion und nicht zuletzt der Dichtung frei, selbstverantwortlich und solidarisch zusammenleben könnten. Ackermann sah darin einen Vorboten der Gedanken des jungen Marx, der postuliert hatte: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“

Die Ausführungen über die Rolle des Dichters im Systemprogramm trüge, so Ackermann, vor allem die Handschrift Hölderlins. Denn vor allem dieser habe die Poesie als die „Lehrerin der Menschheit“ gesehen. Eine wesentliche Rolle spiele dabei, dass alles letztlich von der Schönheit ausgehe und letztlich auch in ihr gipfele, weil in ihr alle gegenstrebige Kräfte harmonisch vereinigt seien. Dem Dichter aber eigne vorzüglich ein Sinn für das Schöne.

Als Einstimmung in das Café denk-art zeigte die japanische Tänzerin Sawako Nunotani eine eigens für diesen Anlass erarbeitete Choreografie zum Gedicht „Die Linien des Lebens“ (gelesen von Claudia von Knorr), das Hölderlin im Tübinger Turm verfasst hatte. Da in diesem davon die Rede ist, dass wir Menschen eines Gottes bedürfen, der unser Leben ergänzt, kam später in der Diskussion die Frage auf, wie weit für Hölderlin die Selbstmächtigkeit des Menschen reiche und wie er sich zu Gott verhalte.

Einen breiten Raum in der Diskussion nahmen auch die Fragen nach den Grenzen der Vernunft ein und – damit zusammenhängend – welche Funktionen für den geschichtlichen Wandel ein ästhetischer Sinn und die Kunst haben sollten. Davon ausgehend fragte ein Besucher, ob die Hölderlin`schen Gedanken auch für die heute anstehende gesellschaftliche Transformation fruchtbar gemacht werden könnten. Damit war man beim Thema des Vortrags „Standortfaktor Hölderlin“, den Thomas Oser kürzlich in Rahmen der Reihe „Forum zukunftsfähiger Stadt – Nürtingen“ gehalten hatte und der am diesem Café denk.art zugrunde lag. Oser hatte herausgestellt, dass für Hölderlin das Verhältnis der Dichtung zum gesellschaftlichen und zum Leben des einzelnen Menschen immer eine zentrale Rolle gespielt habe.

Das nächste Café denk-art findet am 12. Juni um 11 Uhr in der Alten Seegrasspinnerei statt: Andreas Mayer-Brennenstuhl  wird dann in das Thema „Mythos Aufklärung“ einführen.   


 


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