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  Zukunftsfähiges NT
 
Dem Kind wie einem Rätsel begegnen - 20.7.2016
Der Pädagoge Henning Köhler stellte im Café denk-art seine "Philosophie der Kindheit" vor

 

(forumNT) „Hermeneutik der Liebkosung“ – dieser Ausdruck des französischen Philosophen Emmanuel Levinas stellte der Pädagoge und Buchautor Henning Köhler ins Zentrum bei seinen Ausführungen zu einer „Philosophie der Kindheit“ am vergangenen Sonntag in der Alten Seegrasspinnerei. Rund 50 Gäste diskutierten anschließend angeregt und zum Teil auch kontrovers über Köhlers Thesen anlässlich der 15. Ausgabe des Café denk-art, zu dem monatlich das Forum zukunftsfähiges Nürtingen, die VHS, das nn-institut und der Trägerverein Freies Kinderhaus einlädt.

Von den Gedanken Levinas‘  ließ sich auch der polnische Pädagoge Janusz Korczak leiten, der bis zu seiner Verschleppung in ein Konzentrationslager eine Waisenheim in Warschau geführt hat. Dass dieser  auch bei Köhler eine maßgebliche Rolle spielt, ist kein Zufall, ist Korczak doch der Namenspatron seines in Nürtingen ansässigen pädagogischen Instituts.

Korczak hat in seinem bekanntesten Buch „Wie man ein Kind lieben soll“ (Köhler zufolge muss die Übersetzung des Titels treffender „Wie man ein Kind liebt“ lauten) unter anderem einige maßgeblich Kinderrechte formuliert: So zum Beispiel, dass Kinder das Recht auf den heutigen Tag hätten. Damit sei, so Köhler, gemeint, dass Kinder nicht vorrangig auf die Anforderungen des Erwachsenlebens vorbereitet werden sollten. Vielmehr sollte ihnen ermöglich werden, ihr Kindsein möglichst frei auszuleben.

Von diesem Kinderrecht ausgehend schlug Köhler eine Brücke zu unserer „PISA-Zeit“, in der Bildungspläne inzwischen schon für die Früherziehung von Kindern erstellt werden. In der Folge würden Kinder, die den damit verbundenen Anforderungen nicht genügten oder sie sogar verweigerten, unter großen Druck gesetzt oder sogar pathologisiert.

Demgegenüber brach Köhler eine Lanze für eine kindgerechte Pädagogik, für die eine „Hermeneutik der Liebkosung“ leitend sein solle. Um diesen Begriff zu erläutern zitierte Köhler einen weiteren Ausspruch von Levinas: „Einem Menschen begegnen heißt, von einem Rätsel wachgehalten zu werden.“

Bei einer  Pädagogik, die sich von dieser Einsicht leiten lässt, ginge, so Köhler,  Verstand und Herz  Hand in Hand. Sie folge auch nicht starren Schemata oder unreflektierten Diagnoseschlüsseln. Vielmehr gelte es die Einzigartigkeit jedes Kindes wahrzunehmen und entsprechend zu fördern. Das A und O im Kontakt zu Kindern sei, dass man ihnen achtsam und offen begegne und mit ihnen in einer liebevollen Beziehung sei.

Damit war eine gute Ausgangsbasis für das Gespräch zwischen dem Referentem und den Zuhörern gegeben: Es wurde gemeinsam nach Wegen gesucht, wie die Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern gelinge könne. Gegen Teile der 68er-Generation, die ihren Pestalozzi falsch verstanden hatten, wurde eingewandt, dass man Kinder nicht einfach sich selber überlassen solle, sondern dass man ihnen vielmehr in zugewandter Kommunikation begegnen und sich wirklich für sie interessieren solle.

Auf der anderen Seite wurde aktuellen Erziehungsratgebern, die so reißerische Titel haben wie „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“ haben, eine klare Absage erteilt. Michael Winterhoff und anderen Autoren, die ins gleiche Horn bliesen,  wurde entgegengehalten, dass Kinder nicht unablässig gemaßregelt werden müssten, um gelingend aufzuwachsen. Vielmehr seien dafür eine aufmerksame Wahrnehmung der Kinder und ein wirklicher Dialog mit ihnen erforderlich.

Außerdem bräuchten Kinder über das Elternhaus und die Schule hinaus in diversen sozialen Umfeldern und nicht zuletzt in der Natur  vielfältige Erfahrungsräume, in denen sie willkommen seien und sich erproben könnten. „Erziehung“ sei, so ein Gast, ohnehin ein missverständlicher Begriff, in manchen Kulturen wie der der Inuits gebe es zu Recht nicht einmal ein Wort dafür. Kinder lernten hier einfach dadurch, dass sie in die Welt der Erwachsenen eingebunden seien und deren Tun schöpferisch nachahmten.

Am Ende des Cafés fanden sich Menschen zusammen, die sich für ein „gelingendes Aufwachsen in Nürtingen“ engagieren wollen: Interessenten an dieser Projektgruppe können sich melden bei: Thomas.Oser[ät]t-online.de.     

 

 


 


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