Forum

  Nachrichten
Kommunalpolitik
Politik
Umwelt
Kultur
Stattzeitung aktuell
Sport
Nürtingen global
Jugend
Personalia
Verkehr
Arbeitswelt
Soziales
Geschichte
Bauen
Presseschau
Wirtschaft
Kurznachrichten
Zukunftsfähiges NT
NTegration
Foto der Woche
EssBar
LesBar

  
Terminkalender
Veranstaltungen
Ausstellungen

  
Kulturtipps
Kneipentest
Bücher
Filme
Musik
Lyrik
Reisen
Hörbücher
NTouren
NThörBar
Musikmachende

  Schatzkästle
Fotogalerie
Fortsetzungsroman
Links
Was kochsch du?
Gabi Zapf (Roman)
Fundgrube
Rundschlag
Jahreszeiten
Hausmittel

  Über uns


 

  Zukunftsfähiges NT
 
Selbstverwirklichung und Gemeinwohl - 27.2.2017
Im Café denk.art ging es unter anderem um eine Einschätzung des Rechtspopulismus

 

(to) Gewidmet war das Café denk.art im Januar in der Alten Seegrasspinnerei aus aktuellem Anlass dem Bündnis „Nürtingen ist bunt“. Das Thema „Selbstverwirklichung und Gemeinwohl – ein Gegensatz?“, das schon seit geraumer Zeit feststand, erwies sich dabei als überaus ergiebig, auch das Phänomen des Rechtspopulismus  philosophisch zu verorten.

Anfangs bot der Nürtinger Philosoph Thomas Oser vor mehr als 60 Gästen eine Einschätzung unserer gegenwärtigen Zeit: Diese sei seit dem Beginn der Moderne durch eine zunehmende Individualisierung geprägt. Zusammen mit tradierten Rollen seien auch traditionale Formen des Gemeinschaftlichen weggebrochen. Dies habe dazu geführt, dass die Menschen nicht mehr wüssten, wer sie sind und wie sie zusammenleben sollten.

Oser stellte heraus, dass die Individualisierung für den Einzelnen nicht nur ein Gewinn gewesen sei: Der Einzelne sei nämlich in der modernen arbeitsteiligen Gesellschaft weitgehend auf seine Funktionen beschränkt sei und seine Individualität reduziere sich oftmals auf bestimmte Konsumwünsche, die unter den Bedingungen von Big Data zunehmend berechenbar seien.

Schon lange bevor diese Nivellierung für alle augenfällig geworden sei, hätten sich, so Oser, Gegenbewegungen in der Philosophie, der Kunst und der Psychologie herausgebildet. Diese hätten den Standpunkt vertreten, dass der einzelne Mensch sich nur dann selbst verwirklichen könne, wenn er sich aus sämtlichen gesellschaftlichen Zusammenhängen herauslöse und sein „Selbstsein“ für sich realisiere. Dabei hätten – wie beispielsweise die Existenzphilosophie – andere Menschen allenfalls in der Privatsphäre eine Rolle gespielt.

Demgegenüber hat es Oser zufolge andere Gegenbewegungen gegeben, die stärker das Gemeinschaftliche und das Gemeinwohl im Blick haben. So sei in den 1980er-Jahren eine philosophische Strömung namens „Kommunitarismus“ entstanden, welche sich aus den Quellen der antiken Philosophie und verschiedener Religionen gespeist hätte.

Oser unterschied im Folgenden hierbei zwei Richtungen und kam damit auch auf das Phänomen des Rechtspopulismus zu sprechen. Denn dieser sei nämlich eine verschärfte Form eines traditionalen Kommunitarismus an: Kennzeichnend für diesen sei es, dass das Gemeinschaftliche wieder herstellen solle, indem man den modernen Individualismus negiere. Er würdewieder auf traditionale Rollen und auf überkommene Gemeinschaften verwiesen. Zudem sei hier meist nur ein partikulares Gemeinwohl im Blick, nämlich das Wohlergehen einer bestimmten Region, Nation, Kultur, Religion oder Rasse, welches er auf Kosten anderer Gruppen durchgesetzt werden soll.

Dieser traditionalen Spielart des Kommunitarismus stellte Oser eine moderne gegenüber, die er auch selbst ausdrücklich gut hieß: Diese zeichne sich dadurch aus, dass sie die Gewinne der Modernen bewahren und zugleich neue Horizont eröffnen wolle. Die moderne Spielart des Kommunitarismus affirmiere deshalb den modernen Individualismus mit seinen Tendenzen zur persönlichen Selbstverwirklichung. Zugleich sehe sie die Selbstverwirklichung nicht als etwas rein Individuelles, sondern als etwas das zugleich mit und für andere vollzogen würde. In diesem Zusammenhang sprach Oser von einer „solidarischen Selbstverwirklichung“.

Das Gemeinwohl, welches hierbei im Blick sei, ist Oser zufolge immer das universale, denn letztlich geht es immer es um das Wohl der ganzen Menschheit und nicht nur um das einer bestimmten Gruppe. Oser zeigte aber durchaus Verständnis dafür, dass man sich schnell überfordert fühlen könne, wenn man immer gleich die ganze Menschheit beachten müsse. Deshalb führte er abschließend aus, dass es auch schon reiche, wenn man sich in seinem Engagement auf sein vertrautes Umfeld beschränke. Ausschlaggebend sei hierbei allerdings, dass man in keiner Weise auf Kosten anderer lebe, indem man sie instrumentalisiere oder ausgrenze. Vielmehr käme es darauf an, dialogbereit zu sein und seiner Mitwelt als ein Liebender zu begegnen.

Der anschließenden Diskussion lag ein Text von Nelson Mandela zugrunde, in welchem deutlich wird, dass Selbstverwirklichung und Gemeinwohl sehr wohl Hand in Hand gehen können. Der zentrale Satz lautete:Und wenn wir unser eigenes Licht erscheinen lassen, geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun.“

Das nächste Café denk.art veranstalten das Forum zukunftsfähiges Nürtingen, das nn-Institut und die Alte Seegrasspinnerei am 26. März um 11 Uhr wiederum in der Alten Seegrasspinnerei. Dann geht es anlässlich des Luther-Jahres um das Thema „Reformation einst – und heute?“  



 


Anzeigen




Impressum
© 2004-2017 Nürtinger STATTzeitung