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  Zukunftsfähiges NT
 
Von der Liebe zu Mensch und Welt - 25.5.2017
Im Café denk.art ging es um das poltische Denken Hannah Arendts

  (forumNT) Wie wohltuend es ist, die Gedanken einer Denkerin nachzuvollziehen, die der Welt und den Menschen überaus zugeneigt ist, konnten am vergangenen Sonntag rund 60 Gäste beim Café denk.art erleben: Die Stuttgarter Philosophin Christine Engel referierte in der Alten Seegrasspinnerei nämlich über die deutsch-jüdische Denkerin Hannah Arendt.

Diese, so hob Engel gleich eingangs hervor, wollte nie als Philosophin bezeichnet werden, weil ihr diejenigen, die in der Tradition als Philosophen genannt wurden – und das waren größtenteils Männer –, zu selbstbezogen und zu weltflüchtig gewesen seien: Sie hätten tendenziell die Menschen im Plural miss- oder gar verachtet, hätten Kontingenzerfahrungen verdrängt, fast immer nur irgendwelche Werke und nicht das (politische) Handeln im Blick gehabt.

Geradezu in programmatischer Absetzung zu diesen Kennzeichen hätte, so Engel, Arendt ihr Denken entwickelt: Dieses sei immer der Welt zugewandt gewesen, habe sich für ein gelingendes und gutes Zusammenleben der Menschen interessiert, welches für Arendt vor allem im Miteinander-Sprechen und -Handeln ausdrücken würde.

Anders als Martin Buber beschränkte sie dialogische Beziehungen nicht auf persönliche Ich-Du-Begegnungen, sondern weitete diese auf die politische Sphäre aus. Dies habe Arendt, so Engel, genauso eindrücklich wie differenziert in ihrem Hauptwerk „Vita activa“  beschrieben. In dem Titel käme zudem zum Ausdruck, dass Arendt der ruhenden Kontemplation, die die Antike favorisiert habe, die handelnde Aktivität entgegengestellt habe.

Der hoffnungsvolle Charakter von Arendts Denken kommt Engel zufolge vor allem in der von ihr eingeführten Kategorie der Gebürtlichkeit zum Ausdruck: Mit jeder Geburt eines Menschen kommt demnach etwas gänzlich Neues in die Welt. Aktualisiert würde diese Potenz aber erst, wenn der Mensch später als Handelnder auch wirklich einen neuen Anfang machte.

Woraus Arendt, die 1906 geboren wurde und 1975 starb, ihren Optimismus schöpfte, mag Engel zufolge verwundern, wenn man bedenkt, dass Arendt als deutsche Jüdin den Aufstieg des Nationalsozialismus hautnah erlebt hat und schließlich nach 1933 erst nach Frankreich und letztlich in die USA emigriert ist. Viele Jahre lebte sie dort als Staatenlose, bis sie die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen hat. Zuletzt war sie Professorin in Chicago und New York.

Diskutiert wurde im Café denk.art auch über Arendts Verhältnis zu ihrem wichtigsten Lehrer Martin Heidegger, der in den zwanziger Jahren auch ihr Geliebter war. Obwohl sie dessen Engagement für den Nationalismus scharf kritisierte, blieb der Freiburger Philosoph für sie denkerisch und auch persönlich ein wichtiger Bezugspunkt.

Gefragt wurde auch an diesem Sonntagvormittag nach der Aktualität von Arendts Denken. So gäbe es Perspektiven, wie dieses unter den Bedingungen unserer heutigen Medienwelt fruchtbar gemacht werden könne. Auch durfte der Hinweis auf Winfried Kretschmann nicht fehlen, für den Arendt eine ganz wichtige politische Impulsgeberin ist.

Vermutet wurde hierbei, dass der baden-württembergische Ministerpräsident nicht zuletzt deshalb Arendt schätzt, weil sie das politische Handeln gegenüber der Gewalt scheinbarer ökonomischer Zwänge stärken wollte und weil sie Politik immer als einen lebendigen Dialog aller Menschen einer Gesellschaft begriffen hat. Dabei sei ihr Basisdemokratie und Bürgerbeteiligung ein ganz besonderes Anliegen gewesen. Von diesem Punkt schlug Engel auch eine Brücke zum Forum zukunftsfähiges Nürtingen, welches ihrer Meinung nach zusammen mit seinen vielfältigen Graswurzelinitiativen im Arendtschen Geiste agiere.

Diese Veranstaltung über Hannah Arendt bildete zugleich den Auftakt zu der neuen denk.art-Reihe „Große Philosophen“, die im September mit Platon fortgesetzt wird. Doch zunächst wird Andreas Mayer-Brennenstuhl – auf Einladung des Forums zukunftsfähiges Nürtingen, der VHS und dem nn-institut – am 25. Juni um 11 Uhr in der Alten Seegrasspinnerei über das Thema „Ästhetik im Kapitalismus“ sprechen. 




 


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