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  Zukunftsfähiges NT
 
Vom Stress, Verweilen und vom Augenblick - 22.11.2017
Ein Rückblick auf die erste Hälfte der Veranstaltungsreihe Stille Tage

 

(forumNT) Die Stillen Tage, die am 8. November starteten, kreisen in diesem Jahr in vielfältiger Weise um die Phänomene des Verweilens und Augenblicks. Nach der ersten Hälfte wird nun der Bogen deutlich: Begonnen wurde mit einem Vortrag über Stress, gewissermaßen der Negativfolie des Themas, in der Folge wurde das Thema positiv angegangen mit einem philosophischen Vortrag mit Klangsequenzen, einem Abend der Künste und diversen Erfahrungsräumen.

Denn Eröffnungsvortrag mit dem Titel „Die gestresste Gesellschaft“, der zugleich im Rahmen der Reihe „Forum zukunftsfähige Stadt – Nürtingen“ stattfand, bestritt am Mittwoch, 8. November, die Psychologin Dr. Katharina Roth in der Alten Seegrasspinnerei. Sie zeigte auf, dass Stress mittlerweile in fast in allen Bereichen des alltäglichen Lebens auftritt. Sechzig Prozent der Deutschen geben Roth zufolge an, häufig unter Stress zu stehen.

Die Referentin fragte, warum sich Stress nur so schwer vermeiden lässt und was uns eigentlich dazu antreibt, dass nicht nur die Arbeit, sondern auch Konsum, Sport, Urlaub und die Freizeitgestaltung immer häufiger in Stress ausarten? 

Roth nannte einerseits innere Stressoren wie die eigenen hohen Ansprüche an sich selbst, oder den Wunsch, möglichst alles unter Kontrolle zu behalten. Andererseits lägen, so die Referentin, die Ursachen auch in der Gesellschaft: Zunehmender Leistungsdruck motiviere zu Selbstoptimierung, die letztlich jeden überfordere.

Dass wir uns dennoch darauf einlassen würden, führte Roth auch darauf zurück, dass Anerkennung in unserer Gesellschaft davon abhänge, was wir leisten und uns leisten könnten. Dem daraus resultierenden Konsumstress seien keine Grenze gesetzt, denn die Wirtschaft offeriere den Konsumenten immer schneller wechselnde Moden und Technologien.

Roth gab auch Hinweise, wie dem Stress zu entgehen sei: So sei es manchmal besser und gesünder, manchen Trend einfach mal Trend sein zu lassen. Sie zeichnete darüber hinaus, das Bild einer zukunftsfähigen Wirtschaft, die dem Menschen und seiner Gesundheit diene. Und sie ermunterte den Einzelnen, öfter einmal innezuhalten, um sich auf das Wesentliche des Lebens zu besinnen.

Damit war auch schon die Brücke zum zweiten Vortrag der Stillen Tage geschlagen: Der Nürtinger Philosoph Thomas Oser sprach am Sonntag, 12. November, bei einer Matinee im Bestattungshaus Riempp aus philosophischer Sicht über das Verweilen und den Augenblick. Deutlich wurde dabei, dass die Qualität des Verweilens uns nicht geschenkt wird, sondern dass wir uns  aktiv und bewusst vom hektischen Getriebe des Alltags losreißen müssten – eine Anstrengung allerdings, die sich lohne, weil wir in der Muße ein großes Wohlgefühl und Glück erleben könnten.

In seinen Ausführungen zum Augenblick ging Oser von den alten Griechen aus. Diese verstanden ihn als die günstige Gelegenheit, die am Schopf ergriffen werden wolle. Entsprechend verbildlicht wurde dieses Verständnis, so Oser, deshalb in der Figur des Kairos, der mit einer einzelnen Stirnlocke und einem kahlen Hinterkopf dargestellt wurde.

Die Klangkünstlerin Alexandra Ott setzte die erörterten Zeit-Phänomene kongenial in Töne um. So bildete sie die Hektik mit den Geräuschen verschiedener Rasseln nach und das Goethesche „Oh Augenblick, verweile doch, du bist so schön“ besonders eindrücklich mit den Tönen einer Kristallklangharfe.

Ein Kleinod war dann auch am Freitag, 17. November, der Abend der Künste in der Seegrasspinnerei, zu dem die Poesiegruppe um die Nürtinger Lyrikerin Johanna Mückain und das Improvisationstheater „Charmeützel“ eingeladen hatten. Sie lasen eigene Texte und Gedichte zum Thema „Verweilen und Augenblick“, setzten diese in spontane Szenen um  – wie auch einige der projizierten Bilder des Künstlers Jörg Seemann. Ebenso entwickelte die japanische Tänzerin Sawako Nunotani zu Gedichten und Bildern spontane Choreografien – begleitet von Bamba Amsberg am Keyboard. Dieser trug am Ende zusammen mit Charlott Amsberg eine eigene Vertonung von Mückains Gedicht „Zeitspur“ vor, das mit den Versen endet: „die zeit verspricht / dass sie uns gehört.“

Der Samstag, 18. November, bot dann drei Erfahrungsräume, in denen man den positiven Umgang mit der Zeit bewusst und künstlerisch erleben konnte: Einen energetischen Stressabbau ermöglichte Alexandra Ott mit ihrem Drum Circle; anschließend versetzte sie die Teilnehmer mit ihrem Gong-Klang-Bad in fast paradiesische Sphären. Sawako Nunotani schließlich erforschte in ihrem Tanzworkshop, wie unterschiedlich wir eine Minute füllen und  erleben können.

Den Stillen Tagen steht nun ihre zweite Hälfte bevor: Seit Mittwoch, 22. November, beginnen vier Mönche aus Ladakh in der Seegrasspinnerei, ein Sandmandala zu streuen. Am Sonntag, 26. November, geht Thomas Oser dann um 11 Uhr ebenfalls in der Alten Seegrasspinnerei im Café denk.art philosophisch der Unruhe der Welt auf den Grund und wird dabei wieder von den Klängen Alexandra Otts begleitet. Zum Abschluss gibt dann am Samstag, 2. Dezember, Stefanie Kerker um 20 Uhr in der Seegrasspinnerei in ihrem Musik-Kabarett die „Lizenz zum Trödeln“.

 

 

 


 


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