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  Zukunftsfähiges NT
 
Von der Unruhe der Welt - 28.11.2017
Das Café denk.art am Sonntag fand im Rahmen der Stillen Tage statt

 

(forumNT) Manchmal sagen Klänge mehr als Worte, zumal wenn es wie beim Café denk.art am vergangenen Sonntag in der Alten Seegrasspinnerei um die Phänomene der Ruhe und Unruhe geht. Deshalb hatte der Nürtinger Philosoph Thomas Oser dazu die Klangkünstlerin Alexandra Ott ebenfalls aus Nürtingen eingeladen, um auf das Thema einzustimmen und die erörterten Phänomene klanglich auszudrücken.

So führte Ott mit Gongs und anderen Instrumente die rund fünfzig Gäste erst einmal in die Ruhe und Stille, die – wie Oser später ausführte – auch die Grundvoraussetzung des Philosophierens sei. Hegel habe den Satz geprägt: Philosophie sei „die leidenschaftslose Stille der rein denkenden Erkenntnis“. Diese Einsicht ginge – so Oser - zurück auf die großen Denker des alten Griechenlands, für die die Kontemplation die seligste Lebensform gewesen sei. Deshalb sei ein philosophisches Café auch sehr gut bei den diesjährigen Stillen Tagen aufgehoben, die um das Verweilen und Stillen kreisen.

Vor diesem Hintergrund näherte sich Oser auch dem Thema dieses Café denk.art. Der Titel der Matinee „Von der Unruhe der Welt“ nahm Bezug auf ein Buch des Soziologen Ralf Konersmann, der der Frage nachgeht, wie es dazu kommen konnte, dass die Ruhe, die in der Antike am höchsten geschätzt wurde, mit dem Beginn der Neuzeit zunehmend im Verruf geraten sei.

Oser relativierte diese These zunächst dahingehend, dass zwar unbestreitbar seit 1800, also mit der beginnenden Industrialisierung, das Leben immer schneller geworden sei, dass aber diese Beschleunigung nicht auf ungeteilte Zustimmung stoßen würde. Vielmehr sei es so, dass mit dieser auch eine Vielzahl von Leidenserfahrungen einhergehen würden und die Sehnsucht nach Ruhe immer größer würde. Nur so könnte man sich die wachsende Nachfrage nach Wellness- und Meditationsangeboten erklären.

Zugleich ist es aber Oser zufolge so, dass sich unsere Lebensgewohnheiten beispielsweise durch die digitalen Medien so verändern würden, das Ruhe und Stille immer mehr verunmöglicht würden. Dies führe dazu, dass wir immer mehr Input an äußeren Anregungen bräuchten, damit wir nicht in Langeweile verfielen. Dabei, so hob Oser hervor, sei es eine ganz wichtige Durchgangserfahrung, Langeweile auch einmal auszuhalten. Denn diese könne uns zur Ruhe und sodann zu wirklicher Kreativität führen. Die Rastlosigkeit eines außengeleiteten Lebens sei dagegen meist eine Flucht davor, sich selbst und anderem wirklich zu begegnen. Diese Abwehr sei aber auch verständlich, weil die Einkehr in sich selbst und die Begegnung mit anderem einen immer auch zunächst mit seinem eigenen Schmerz konfrontiere.

Am Ende seiner Ausführungen unterschied Oser - ausgehend von dem Stoiker Seneca - zwischen positiven und negativen Formen der Ruhe beziehungsweise Unruhe. Negativ sei eine Unruhe, die einen nicht zu sich kommen ließe, diese sei nichts anderes als die Kehrseite der negativen Ruhe, welche etwas Starres und Verknöchertes an sich habe.

Gegen diese Ruhe erstarrter Verhältnisse – sowohl im Persönlichen wie auch im Politischen - opponiere zunächst eine erste Form der positiven Unruhe,  die allerdings noch kein positives Ziel im Auge zu habe. Wüsste man aber, wohin die Reise gehen solle, dann stelle sich eine gelassenere Form der Unruhe ein. Eine dritte Form der positiven Unruhe schließlich zeige sich bei einem Erleuchteten, der in seinem Handeln von einer unerschütterlichen Ruhe getragen sei.

Damit wurde dann auch deutlich, dass die positiven Formen der Unruhe und der Ruhe nicht wie die negativen die zwei Seiten einer Medaille sind, sondern harmonisch ineinanderschwingen. Oser ging auf eine Definition der Liebe ein, welche diese als die Sehnsucht bestimmt „Ruhe in einem anderen Herzen“ zu finden. Das sei nicht so zu verstehen, dass damit alle weiteren Entwicklungsmöglichkeiten der Liebe abgeschnitten seien. Vielmehr sei diese Ruhe, das Angekommensein beim Partner, gerade die Voraussetzung dafür, um gemeinsam immer weiter zu gehen. Zu dieser Beschreibung passten vorzüglich die ausklingenden Töne, die Alexandra Ott der Kristallklangharfe entlockte.

Am 28. Januar laden das Forum zukunftsfähiges Nürtingen, die VHS, das nn-institut und die Alte Seegrasspinnerei zum nächsten Café denk.art ein. Dann wird Bamba Amsberg im Gespräch mit Thomas Oser das Thema „Mensch und Maschine“ beleuchten. Darauf einstimmen wird die japanische Choreografin Sawako Nunotani.

 

 


 


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