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  Zukunftsfähiges NT
 
Lizenz zum Trödeln - 6.12.2017
Stefanie Kerker beendete mit ihrem Musik-Kabarett die diesjährigen Stillen Tage

 

(forumNT) Wer bekäme sie nicht gern von Eurer Majestät verliehen: die Lizenz zum Trödeln. Man ballerte dann nicht mit Kanonen auf irgendwelche Schurken, flüchtete auch nicht mit schwimmenden Autos vor Verfolgern… Vielmehr machte man es sich einfach – die Beine hochgelegt - auf dem Sofa bequem, ja vielleicht nähme man sogar ein stundenlanges Schaumbad und ließe sich von nichts aus der Ruhe bringen. Gerade dieses Versprechen lockte am vergangenen Samstag dann nicht wenige offenbar von ihrem Ofen  hervor und ließ sie in die Alte Seegrasspinnerei pilgern, wo die singende Kabarettistin Stefanie Kerker ihr Programm „Lizenz zum Trödeln“ vorstellte.

Doch trödelig ging es dann ganz und gar nicht zu. Kerker machte sich zwar einen Spaß, als sie sagte, dass sie als Mutter zweier kleiner Kinder in den letzten Jahren schlichtweg keine Zeit gehabt hätte, ein neues Programm zu schreiben und deshalb nur ein paar alte Lieder vortragen würde. Zudem wünschte sie sich, dass die Gäste in Selbsterfahrungsmanier ihre Sehnsüchte nach Ruhe kundtun sollten.

Doch was dann folgte, war ein imposantes Feuerwerk an Gedanken, Geschichten und Songs, wobei Kerker sich selbst minimalistisch mit einem Akkordeon, einer winzigen Gitarre, einem Keyboard, einer Blockflöte ja und auch mit Percussionsstäben aus farbigem Schaumstoff begleitete.

Natürlich hielt Kerker unserer Gesellschaft mit ihrem Immer-Mehr und Immer-Schneller humorvoll den Spiegel vor. Aber sie beließ es nicht dabei, sich darüber lustig zu machen, gar einer privatistischen Flucht in die angebotenen Oasen der Ruhe und Stille das Wort zu reden. Vielmehr zeigte sie - immer mit Witz und nie mit erhobenen Zeigefinger - die gesellschaftlichen und vor allem wirtschaftlichen Triebfedern auf, die unser Leben so ungemütlich machen.

Damit war die Vorstellung der perfekte Abschluss der diesjährigen Stillen Tage, die nicht nur nach dem Verweilen und dem Augenblick fragten, sondern auch nach den gesellschaftlichen und kulturellen Ursachen suchten, warum wir meist im Stress und in Hektik sind.

So sang Kerker das Lied über die Mover, also diejenigen, die es bei nichts aushalten und immer in Bewegung sein müssen, die immer mehr und anderes haben wollen. Da war die Rede, von dem Wahn sich immer mit anderen zu vergleichen. Das Stichwort lautete hierbei Status, der sich heutzutage nicht zuletzt daran zeigt, welche Markenartikel man sich leisten kann.

Kerker zeigte aber auch, dass hinter dem ganzen Stress letztlich die kapitalistische Wirtschaftsmaschinerie steckt, die das Leben immer schneller und effizienter macht. Doch dies wurde ganz und gar nicht agitatorisch rübergebracht, vielmehr verpackte Kerker ihre Ansichten in eine Vielzahl von kurzweiligen Geschichten und Liedtexten, die von ganz unterschiedlichen Personen bevölkert wurden.

Da war beispielsweise von einer Anke die Rede, ökologisch korrekt bis in die letzte Faser: Zum Grillen bringt sie Löwenzahnsalat mit, weil dieser die Schädigungen, welche der Verzehr der gegrillten Rindersteaks hervorruft, abzuhelfen vermag. Diese Anke ist es auch, die dem YOLO-Typ, also demjenigen, der sagt: „You only live once“, ins Gewissen redet – und auch der Frauenfigur, die Kerker immer wieder selbst gibt: Diese will immer nur konsumieren und ist so naiv zu glauben, dass H&M-Kleider schon dann ökologisch unbedenklich seien, wenn man zu Fuß zum Shoppen gehe.

Der Gefahr zu moralisieren, entgeht Kerker dadurch, dass sie sich mit keiner der von ihr kreierten Figuren gemein macht und damit die Unterscheidung, was gut und böse ist, in der Schwebe hält. Am Schluss kommt dann doch noch James Bond zum Einsatz: Kerker mimt ihn mit Wasserpistole, der nicht nur die inneren Dämonen des Stresses und der eigenen Minderwertigkeit abknallt, sondern den Zuschauern auch mit den Spritzern aus der Wasserpistole den Segen zum Trödeln gibt.

 

 


 


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