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  Zukunftsfähiges NT
 
Schülerstreiks am Freitag sind legitimer ziviler Ungehorsam - 4.4.2019
Im Café denk.art ging es um philosophische Fragen rund um den Klimawandel

 

(forumNT) Wahrscheinlich war es dem Thema geschuldet, dass am vergangenen Sonntag auch einige Schülerinnen und Schüler den Weg ins Café denk.art fanden, das dieses Mal im Rahmen der Nürtinger Energietage stattfand. Die Veranstaltung kreiste nämlich um philosophischen Themen rund um den Klimawandel: Wie verhält sich hierbei individuelle zu kollektiver Verantwortung? Darf ein liberaler, demokratischer Staat angesichts der drohenden Klimakatastrophe die Freiheitsrechte seiner Bürger massiv einschränken? Und: Wie sind die Schülerproteste „Friday for Future“ zu bewerten?

Dies waren die Hauptfragen, die die Irina Schumski von der Universität Tübingen mit den rund fünfzig Besuchern in der Nürtinger Alten Seegrasspinnerei erörterte. Eingangs stellten zwei Schauspieler eine kleine Szene dar, in der es um Plastikverpackung in einem Bio-Markt ging. Dabei zeigte sich, dass die ökologische Bilanz einer Plastiktüte nicht unbedingt schlechter ist als die einer Papiertüte. Darüber hinaus zeigte sich, dass unsere individuellen Bemühungen, das Klima zu schützen, in komplexe wirtschaftliche und politische Zusammenhänge eingebettet ist, die wir oft nicht genau verstehen und erst recht nicht kontrollieren können.

Oftmals vereiteln diese Zusammenhänge unsere Bemühungen. Im besten Fall sind unsere Mühen ein „Tropfen auf dem heißen Stein“. Im schlimmsten Fall haben sie – wie die Papiertüten – sogar schlechtere Auswirkungen auf Umwelt und Klima als verfügbare Alternativen, was wir aber oft nicht wissen. Und als ob das nicht schon entmutigend genug wäre, sind wir auch noch von Mitbürgern und Politiker umgeben, die sich davor drücken – oder gar offen weigern – ihren Teil der Verantwortung zu übernehmen.

Vor diesem Hintergrund drängte sich die Frage auf, ob wir als Individuen überhaupt moralisch verpflichtet sind, uns am Klimaschutz zu beteiligen, welche Art von Verpflichtung oder Verantwortung wir haben und in welcher Funktion uns diese zukommt: als Konsumenten, als Erzieher, als Bürger und Wahlberechtigte etc.

Die Diskussion ergab unter anderem, dass politische Gebilde wie Staaten und internationale Organisationen in Sachen Klima mindestens ebenso gefragt wie Individuen, wenn nicht sogar noch mehr. Allerdings könnten politische Klimaschutzmaßnahmen nach Ansicht vieler Menschen auch zu weit gehen.

Hinter der Aussage, dass der Staat mit dieser oder jener Maßnahme zu weit gehe oder gar zur Ökodiktatur verkomme - auch dies wurde mit einer theatralen Szene veranschaulicht - könnten sich verschiedene Kritikpunkte verstecken: Es könnte für eine Maßnahme, die beschlossen wurde, keine oder keine klare demokratische Mehrheit geben; eine Maßnahme könnte zu weit in die Freiheit der Individuen eingreifen oder ihre Rechte verletzen. Schließlich wäre es auch möglich, dass der Staat seine weltanschauliche Neutralität aufgebe und „die Ökos“ bevorzuge.

Andererseits wurde angesichts der großen Bedrohung auch umgekehrt die Frage gestellt, ob der Staat weit genug gehe, ob man angesichts der Dringlichkeit der Situation überhaupt auf ein demokratisches Mandat warten müsse und ob es angesichts des politischen Versagens in Sachen Klimapolitik berechtigt sein könnte, die Politiker durch Demonstrationen und zivilen Ungehorsam unter Druck zu setzen.

Damit war man bei „Friday for Future“: Nicht nur Irina Schumski brach beim Café denk.art eine Lanze für diese Schülerproteste: Sie seien Ausdruck eines legitimen zivilen Ungehorsams, weil die heutigen Schüler mehr als die Erwachsenen von einer bevorstehenden Klimakatastrophe betroffen wären. Auch hätten sie, da die meisten noch nicht wahlberechtigt seien, nicht die Möglichkeit, ihre politischen Vertreter zu bestimmen. Schließlich hätten sie anders als andere Interessenverbände und Lobbygruppen nicht die finanziellen Mittel auf politische Entscheidungen Einfluss zu nehmen.

Zum nächsten Café denk.art am 28. April hat das Forum zukunftsfähiges Nürtingen, die Volkshochschule und das nn-institut den Esslinger Philosophen Peter Vollbrecht eingeladen. Dann wird es um Sören Kierkegaard und die Aufgabe, man selbst zu werden, gehen.  




 


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