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Mitmenschlichkeit für Asylbewerber - 29.11.2013

 

(emu) Stell dir vor, Menschen trachten nach deinem Leben und du willst einfach nur weg, um einen Ort zu finden, an dem du friedlich leben kannst. Aber wo ist dieser Ort? Und wer hilft dabei, sich an so einem neuen Ort wohlzufühlen? 50 Millionen Menschen irren auf der Welt umher auf der Suche nach einem sicheren Ort. Die meisten fliehen in benachbarte Länder, wenige gelangen zur „Festung Europa“, so Herr Köhnlein in seinem Vortrag im Rahmen der Friedenswochen im Gemeindehaus St. Johannes.

Fremden gegenüberzutreten, fällt schwer. Aber: was könnten wir verlieren? Wovor haben wir Angst? Wie viele Flüchtlingsschicksale sind uns eigentlich bekannt? Wie war das mit den Kriegserfahrungen unserer Eltern und Großeltern. Schon vergessen? Auch die Bibel gibt viele Beispiele von Flucht und Vertreibung, vom Hadern mit dem Schicksal und Verzweiflung, aber auch von der Bedeutung dieser Schicksalsschläge für unsere eigene Entwicklung. Und sie zeigt Wege, sich hilfreich und menschlich zu zeigen, auch wenn das nicht der Norm entspricht, wie beim barmherzigen Samariter.
 
Warum keine Schule für Alle organisieren, ein wenig genutztes Zimmer frei machen für einen Flüchtling? Der müsste sich ansonsten mit vier bis sieben Personen unterschiedlicher Nationalität, Religionszugehörigkeit und Gewohnheiten ein Zimmer teilen. Warum nicht einem Menschen mit so schweren Erfahrungen unser Land nahebringen, ihn in seinem Asylverfahren begleiten und so lange beherbergen, bis er in die Selbständigkeit entlassen werden kann? Familie Köhnlein praktiziert dies seit vielen Jahren und hat dies als gegenseitige Bereicherung erfahren. Diese Begegnungen zeigen dem Anderen, als Mensch willkommen zu sein.
Am Ende des Vortrags hat der letzte Ziehsohn der Köhnleins, ein junger Tamile aus Sri Lanka, erzählt vom Tod seines Vaters, der eigenen Bedrohung, der Flucht durch verschiedene Länder und den bürokratischen Hürden in deutschen Landen. Bei seiner Einbürgerung wurde er von der Beamtin gefragt, welche deutschen Worte ihm zuerst in Erinnerung geblieben seien. Er hat kurz nachgedacht, ein grimmiges Gesicht aufgesetzt und dann mit entsprechendem Nachdruck gesagt: Ausländer raus!

Herr Köhnlein hat seine Eindrücke verarbeitet in Gedichten und Geschichten wie Gottfried Benn, für den Gedichte sein Messer waren. Und daran hat er die Zuhörer teilhaben lassen. Der Saal war voll und die Menschen sehr angetan von dem Humor, mit dem Herr Köhnlein samt seinen Schützlingen durch alle Gefahren hindurchgegangen ist.

Asylanten dürfen nicht arbeiten, aber 100 Stunden gemeinnützige Arbeit tun. Sind wir nicht alle froh, wenn wir jeden Tag sinnvolle Arbeit tun können und vielleicht noch an diesen Aufgaben wachsen? Diese gemeinnützige Arbeit wird mit einem Euro pro Stunde vergütet und ist so ein kleines Zubrot zum Taschengeld. Außerdem gibt es Pluspunkte beim Anerkennungsverfahren. Auf diese Entscheidung müssen die Asylanten meist ½ bis 6 Jahre warten, Amtsdeutsch verstehen und Rechtsanwälte bezahlen können.
Dem Zustrom von Flüchtlingen steht der Wegzug junger qualifizierter Deutscher gegenüber, die ihren beruflichen und kulturellen Horizont erweitern wollen – oder vielleicht woanders Dinge finden, die sie hier nicht haben? 
Wir brauchen soziale Netze, die unser Leben miteinander lebenswert machen, so dass wir sagen können: Hier möchte ich gerne bleiben - wie Herr Köhnleins letzter Ziehsohn.


 


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