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Islam ganz einfach - 23.1.2008
Pierre Vogel in Nürtingen

 

(th) Abu Hamza alias Pierre Vogel geht eine Welle des Widerspruches voraus, wenn er sein Ziel verfolgt, den Islam zu propagieren. Nachdem er kürzlich in Tübingen aufgetreten war, hat selbst der baden-württembergische Städtetag die bei der Veranstaltung praktizierte Geschlechtertrennung aufs Schärfste missbilligt.

Am 12. Januar war Pierre Vogel in Nürtingen. Obwohl die Mevlana-Moschee in der Tiefenbachstraße den Auftritt kurzfristig abgesagt hatte, fanden sich über 200 Personen in der als Veranstaltungsort eingesprungenen Fatih-Moschee in der Max-Eyth-Straße ein. Das Publikum setzte sich aus Muslimen verschiedener Ursprungsländer und wenigen Nichtmuslimen, Männern mit und ohne Kopfbedeckung oder Bart, Frauen mit und (wenige) ohne Kopftuch zusammen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass irgendjemand mit seiner jeweiligen Eigenart von anderen komisch angesehen wurde. Auch hier saßen die beiden Geschlechter getrennt, die Frauen links (auf gepolsterten Stühlen), die Männer rechts (auf Holzstühlen). Pierre Vogel verteidigte diese Regelung gleich zu Anfang mit dem Hinweis auf die Schamhaftigkeit des Kontaktes zwischen Männern und Frauen, von der der Islam ausgeht. So vermied er es auch während des Vortrages die Frauen anzusehen, sondern wandte sich immer den Männern zu. Zuvor hatte der Kölner, der 2001 zum Islam konvertiert war, auf die Wichtigkeit von Islamvermittlung in deutscher Sprache, sei es in den Moscheen, im Islamunterricht oder bei Vorträgen hingewiesen, um den Islam auch unter Deutschen oder hauptsächlich deutschsprachigen Menschen zu verbreiten. Eingangs beklagte er eine allgemeine Propaganda gegen den Islam in Deutschland. Unter anderem führte er die Diskussion um ein Kopftuchverbot an und meinte gar, wenn jemand zu einer Reichskristallnacht aufrufen würde, dann würden einige Moscheen brennen.

Dass er über die „Frau im Islam“ sprechen sollte, hatte er wohl erst kurz vorher erfahren und die meisten Anwesenden waren angeblich auch nicht vorrangig an diesem Thema interessiert (sondern an Pierre Vogel?). Der wortgewandte rotbärtige Mann, der mit seiner lockeren Art wie ein Jugendarbeiter rüberkam, hatte aber kein Problem damit die verschiedenen Aspekte dieses Themas zu beleuchten. Grundsätzlich steht für ihn die Wahrheit über den Islam im Koran und er geht von einer wörtlichen Befolgung der darin enthaltenen Forderungen an den gläubigen Muslim aus, ohne eine Interpretation vor dem zeitlichen Hintergrund und sich daraus ergebenden Veränderungen zuzulassen. So soll die Muslimin mindestens Kopftuch tragen, ganz einfach weil es als Pflicht im Koran steht. Hintergrund ist wieder, dass verhindert werden soll, dass Männer bei der Begegnung mit Frauen sündige erotische Gedanken bekommen. Deshalb sollen Frauen sich insgesamt keusch kleiden, möglichst kein Make up tragen und fremden Männern nicht zulächeln oder gar zuzwinkern. Duftwässer scheinen hingegen in Ordnung zu sein, die wurden auch an einem Stand neben Aufklebern, Schriften und Videos verkauft. Auch für die Männer ergeben sich im Umgang mit Frauen einige Einschränkungen, wie aus den Berichten anderer Konvertiten deutlich wurde. Für einen Surf- und Skilehrer war es nach seinem Übertritt zum Islam nicht mehr in Ordnung leicht bekleideten Frauen Unterricht zu erteilen, wobei im Winter selbst das unbedeckte Haar ein Problem darstellte. Dass das Zeugnis einer Frau im Islam nur halb soviel wert sei, wie das Zeugnis eines Mannes beziehe sich nur auf kaufmännische und finanzielle Angelegenheiten, erläuterte Pierre Vogel, was die Frauen in diesen Bereichen von Verantwortung entlaste. Und der Bruder erbt doppelt soviel wie die Schwester, weil er auch Unterhaltspflichten gegenüber seinen Familienangehörigen hat und seinen Schwiegereltern einen Brautpreis zahlen muss. Dass der Islam Männern erlaubt, mehrere Frauen zu heiraten, Frauen aber nicht mehrere Männer ehelichen dürfen, begründet Pierre Vogel einerseits mit dem Vorteil für die Bevölkerungsentwicklung, andererseits mit dem gesicherten Vaterschaftsverhältnis.

Als einen Grund vom Christentum zum Islam konvertiert zu sein nannten die Konvertiten bei der Veranstaltung auch Probleme, die Dreieinigkeit des christlichen Gottesbildes zu akzeptieren. Die war auch Teil der Argumentation mit der Pierre Vogel begründete, warum die Bibel im Gegensatz zum Koran nicht die Wahrheit über Gott darstelle und somit das Christentum im Gegensatz zum Islam nicht die wahre Religion sein kann. Als ein Konvertit meinte, wenn er zu dem Schluss komme, dass der Islam doch nicht der richtige Glauben für ihn sei, könnte er ja wieder austreten, ließ Pierre Vogel gewisse Zweifel daran durchschimmern, dass das so einfach sei.

Pierre Vogel wünschte sich, dass sich alle Muslime, wenn sie die Veranstaltung verlassen, vornehmen die fünf Pflichtgebete auszuführen und dass sich alle muslimischen Frauen vornehmen der Kopftuchpflicht nachzukommen.

 

Meine Meinung

Wie man das Frauen- und Männerbild oder Widersprüchlichkeiten des Islam und anderer Religionen bewertet ist letztlich unerheblich, solange man Religionsfreiheit ernst nimmt und jeder nach seiner Façon selig werden kann. Aber das scheint für Konvertiten aus dem Islam nicht so einfach zu sein. Pierre Vogel ist ein durchaus unterhaltsamer Redner, der gerne auch mal ein Späßchen macht. Aber er propagiert nicht nur eine buchstabengetreue Anwendung des Korans, sondern stellt auch den Umgang mit dem Islam in Deutschland verzerrend dar, wodurch nicht der Dialog, sondern die Abgrenzung gefördert wird. Kritik an islamistischen Strömungen betrachtet er als Propaganda gegen den gesamten Islam und übersieht dabei, dass sich zum Beispiel Vertreter der christlichen Kirchen für den Bau von Moscheen aussprechen. Er spricht von der Diskussion über ein Kopftuchverbot, als gehe es darum, allen Musliminnen zu verbieten Kopftuch zu tragen. Dabei ging es um die Frage, ob vor dem Hintergrund der Religionsfreiheit Lehrerinnen im Unterricht Kopftuch tragen dürften, nachdem bereits das Aufhängen von christlichen Kreuzen in Klassenzimmern untersagt wurde.


 


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