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  Umwelt
 
10 Jahre Vision Solarstadt Nürtingen 2046 - 21.5.2006
Eine Zwischenbilanz

 

(th) 1996 hat die BUND-Ortsgruppe Nürtingen eine Vision vorgelegt, wie Nürtingen sein 1000jähriges Jubiläum im Jahr 2046 als Solarstadt feiern könnte. Nach 10 Jahren zog der BUND am 24. April in der Glashalle des Rathauses eine Zwischenbilanz.

Anlass für die detaillierte Studie waren die Forderungen des Weltklimagipfels in Rio de Janeiro 1992, nach denen der Kohlendioxidausstoss bis 2050 weltweit um 50 %, in den Industrieländern gar um 80 % gesenkt werden sollte, um einen Klimakollaps zu verhindern. Weitere Argumente, den Energieverbrauch grundlegend umzukrempeln bietet die begrenzte Verfügbarkeit der fossilen Energieträger ebenso, wie von Uran, die dadurch zu erwartenden Preissteigerungen, die vielfältigen Gefährdungen durch terroristische Anschläge, die speziellen Risiken der Nutzung der Atomenergie.

Entwicklung

Die Entwicklungen der vergangenen 10 Jahre belegen die Notwendigkeit der Energiewende. Während der vergangene schneereiche Winter bei uns den Eindruck erwecken könnte, mit der Veränderung des Klimas sei es vielleicht doch nicht so wild, zeigte Otmar Braune in seinem Vortrag, dass weltweit eine Temperaturabweichung gegenüber dem Zeitraum von 1951 bis 1980 um bis zu + 8 Grad gemessen wurde (siehe Abbildung, Quelle: National Oceanic and Atmospheric Administration). Nicht zu vergessen das Oderhochwasser (1997), das Elbehochwasser im niederschlagsreichsten Jahr in Deutschland (2002), die Hitzewelle im Sommer 2003 und die Wirbelstürme in den Jahren 2004 und 2005, die mit Kathrina den Höhepunkt ihrer Zerstörung erreichten. Der Preis für Rohöl ist in den vergangen Jahren von knapp 20 Dollar pro Barrel auf derzeit über 70 Dollar gestiegen. Für Erdgas sind die Aussichten mit oder ohne Bindung an den Ölpreis ähnlich. Die Diskussionen der vergangenen Monate habe auch gezeigt, wie riskant eine Abhängigkeit von Erdgaslieferungen aus Russland sein kann, das im Jahr 2025 nicht nur der größte, sondern auch der einzige Erdgasproduzent in Europa sein könnte, wenn die Vorräte in Großbritannien, den Niederlanden, Norwegen und in der Ukraine aufgebraucht sind. Dass wieder weniger Menschen Angst vor der Nutzung der Atomenergie haben, ändert nichts daran, dass menschliche Fehler bei der Nutzung dieser Technologie oder Terroranschläge katastrophale Folgen haben können, dass bei einer Nutzung der Atomenergie im bisherigen Umfang das Brennmaterial in diesem Jahrhundert verbraucht sein wird und dass die Lagerung des Atommülls der Menschheit ein Strahlungsrisiko für Jahrhunderte hinterlässt.

Heizenergieverbrauch in Nürtingen

Wie hat sich Nürtingen und die Vision Solarstadt in den vergangenen 10 Jahren entwickelt? 1996 wurden in Nürtingen zur Wärmeerzeugung 10.300 kWh Energie pro Einwohner verbraucht, die überwiegend aus Erdöl und Erdgas und zu einem geringen Teil aus Kohle stammten. Bis 2046 sollte der Bedarf um 60 % auf 4.200 kWh gesenkt werden, die dann etwa zur Hälfte mit Sonnenkollektoren in Verbindung mit Wärmespeichern für den Winter gedeckt werden sollten. Einen weiteren bedeutenden Anteil sollten Wasserstoff und Erdgas übernehmen, während Biomasse und Kraftwärmekopplung das Angebot ergänzen sollten. In den vergangenen Jahren ist der Bedarf an Wärmeenergie pro Einwohner tatsächlich um 12 % auf 9.100 kWh zurückgegangen. Auch bei den eingesetzten Energieträgern haben bereits Veränderungen stattgefunden. Zu der traditionellen Wärmeerzeugung mit fossilen Energieträgern sind bereits Wärme aus Kraft-Wärme-Kopplung u.a. aus den Anlagen im Roßdorf, im Hallenbad, im Schlachthof und im  Krankenhaus mit ca. 500 kWh pro Einwohner und aus Biomasse getreten, die  den für 2046 angenommenen Umfang übertreffen. Für die Umwandlung der Sonnenstrahlung in Wärme werden allerdings erst 2 % der zur Verfügung stehenden Dachflächen genutzt, was nur eine Ausbeute von etwa 40 kWh pro Einwohner bringt. Die Hoffnungen, die 1996 noch in die Nutzung von Wasserstoff zur Wärmeerzeugung gesetzt wurden, müssen inzwischen zurückgeschraubt werden, weil die Umwandlungskette einer Wasserstoff-Wirtschaft überaus verlustreich ist. Andererseits hat sich herausgestellt, dass das Einsparpotenzial, das durch die Sanierung von Altbauten genutzt werden kann noch höher als erwartet ist. Angesichts dieser Entwicklungen kann die Vision für 2046 modifiziert werden. Nach aktuellem Stand lässt sich der Wärmeenergiebedarf auf 4.000 kWh reduzieren, der weiterhin etwa zur Hälfte mit Sonnenkollektoren gedeckt werden soll, während Kraft-Wärme-Kopplung, Biomasse und Erdwärme einen weiteren bedeutenden Anteil übernehmen sollen. Die Möglichkeiten zur Nutzung von Erdwärme in Nürtingen sind allerdings noch nicht konkret erkundet worden. Voraussetzung für die Realisierung dieser Vision ist nach wie vor die Speicherung der Sonnenwärme vom Sommer in den Winter. Entsprechende Speicher wurden in den vergangenen Jahren in Modellversuchen erprobt, aber nicht in Nürtingen.

Stromverbrauch in Nürtingen

Der Strombedarf pro Einwohner in Nürtingen betrug 1996 3.930 kWh und wurde zu fast 2/3 aus Atomenergie gedeckt. Der Rest wurde durch Kohleverstromung und das Nürtinger Wasserkraftwerk gedeckt. Bis 2046 sollte der Verbrauch um ca. 25 % auf 3.000 kWh gesenkt werden und zur Hälfte durch Kohleverstromung und etwa einem Drittel durch Fotovoltaik gedeckt werden. Den Rest sollten Kraftwärmekopplung, Wasserkraft und sonstige regenerativen Energieträger übernehmen. Bis heute ist der Stromverbrauch allerdings um 3 % angestiegen. Das Potenzial für die Stromerzeugung aus Sonnenstrahlung wird trotz immer häufiger zu sehender Fotovoltaikanlagen bisher nur zu 1,5 % ausgenutzt, was einer Stromerzeugung von ca. 22 kWh pro Einwohner entspricht. Der Beitrag zur Bedarfsdeckung aus Kraftwärmekopplung und sonstigen erneuerbaren Energieträgern übertrifft aber bereits den ursprünglich für 2046 vorgesehenen Umfang. Angesichts der bisherigen und der technologischen Entwicklung bleibt das Ziel einer modifizierten Solarstadtversion weiterhin ein Stromverbrauch von 3.000 kWh, der etwa zur Hälfte durch Fotovoltaik und zu je etwa einem Sechstel aus Kraft-Wärme-Kopplung und sonstigen Erneuerbaren Energieträgern von außerhalb Nürtingens gedeckt werden soll. Den Rest soll das Nürtinger Wasserkraftwerk im bisherigen Umfang und die Kohleverstromung übernehmen.

Transportenergie-Verbrauch in Nürtingen

Für die Mobilität mit privaten Kraftfahrzeugen wurde in Nürtingen 1996 8.000 kWh pro Einwohner aus Erdölprodukten eingesetzt. Bis 2046 sollte dieser Bedarf auf 2.300 kWh sinken und zu über 50 % mit Wasserstoff gedeckt werden. Den Rest sollten Solarstrom und Erdölprodukte übernehmen. In diesem Bereich ist die Entwicklung am wenigsten vorangekommen. Der Energiebedarf ist zwar trotz steigender Ausstattung mit motorisierten Kraftfahrzeugen auf 7.400 kWh gesunken, als Energieträger dienen aber weiterhin fast ausschließlich Erdölprodukte. Die Modifizierung der Vision Solarstadt sieht dennoch eine noch stärkere Reduzierung des Energiebedarfs auf 2.100 kWh vor, die zu etwa gleichen Teilen durch Solarstrom, Wasserstoff und Biokraftstoff und zu einem geringen Anteil durch Erdölprodukte gedeckt werden soll. Grundlage für diese Vision ist neben der stärkeren Nutzung öffentlicher und nichtmotorisierter Verkehrsmittel die Marktreife und Verbreitung von Fahrzeugen mit Brennstoffzellen- und Elektromotor.

Ausblick

Die Energiewende ist auch in Nürtingen noch lange nicht geschafft und es sind noch erhebliche Anstrengungen nötig. Dabei wirken sich auch die Preisentwicklungen zu Gunsten eines Umschwenkens aus. Während die Preise für herkömmlich erzeugte Verbrauchsenergie rasant ansteigen, sinken die Kosten für die Bereitstellung von Verbrauchsenergie aus regenerativen Energieträgern. Es werden also immer weniger Idealismus und öffentliche Unterstützung benötigt, um Investitionen in Wärmedämmung, energiesparende Geräte und Maschinen und Energieerzeugung aus Sonnenenergie und anderen regenerativen Energieträgern anzuregen. In Zukunft braucht es dafür nur Wissen, ein bißchen Verstand und einen (solarstrombetriebenen) Taschenrechner.


 


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