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  Umwelt
 
Watt? Ökowatt! - 7.2.2008
Kein grüner Strom wie andere

  (th)

Im Gespräch erläuterte Otmar Braune (O.B.), BUND-Mitglied, Kurator der Stiftung ÖKOWATT Nürtingen und aktueller Bebrüter des Eis der Heckschnärre, die Besonderheiten des Nürtiger ÖKOWATT-Stromtarifs.

STTZ: Hallo Otmar. Die Notwendigkeit etwas gegen die Klimaveränderung zu tun war eines der großen Themen des vergangenen Jahres. Die Nürtinger Stadtwerke bieten mit ÖKOWATT auch einen grünen Tarif an. Die Kunden zahlen 2 Cent pro Kilowattstunde Strom mehr, die (abzüglich der Mehrwertsteuer) an die ÖKOWATT-Stiftung gehen. Könnte man nicht mehr für die Klimawende tun, wenn man zu einem reinem Ökostrom-Anbieter wechselt?
O.B.: Die Frage ist, was man genau erreichen will. Will ich den Ausbau der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien voranbringen, will ich meinen Strom von einem Versorger beziehen, der nicht mit den Atom- und Kohlekonzernen verbandelt ist oder was will ich mit einem Wechsel sonst bezwecken?
Viele Stromkunden wissen nicht, dass der Strom aus all den Fotovoltaik-, Windkraft-, kleinen Wasserkraft- und Biogasanlagen, die im Land entstehen, nicht als Ökostrom verkauft werden darf, weil er nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) zu einem festgesetzten Preis von den Energieversorgungsunternehmen angenommen werden muss. Diese legen die Mehrkosten auf den Strompreis um, d.h. diese Anlagen werden von allen Stromkunden finanziert.
Als Ökostrom verkauft wird hingegen insbesondere Strom aus großen Wasserkraftanlagen in den Alpen oder Skandinavien, der nicht mehr kostet als konventionell erzeugter Strom und bisher in den europäischen Strommix einging.
Zum Beispiel haben bereits kurz nach Beginn der Liberalisierung des Strommarktes die damaligen Bayernwerke ihren mit Wasserkraftanlagen in den Alpen erzeugten Strom aus dem normalen Strommix ausgegliedert und zu einem erhöhten Tarif unter der Marke „Aqua Power“ als Ökostrom angeboten. Die Kunden haben sich gut gefühlt und die Bayernwerke haben mit dem gleichen Stromerzeugungsmix wie bisher höhere Gewinne erzielt. Aus meiner Sicht eine Täuschung der Verbraucher.

STTZ: Der Spiegel (2/2008) schreibt, dass heute vielfach normaler Strom mit Ökozertifikaten veredelt werden soll. Wie geht das?
O.B.:
Ein Stromversorger kauft Strom an der Börse für zum Beispiel 7 Cent je Kilowattstunde. Den „veredelt“ er dann mit einem Ökozertifikat eines norwegischen Wasserkraftwerks, was ihn lediglich noch mal 0,05 Cent pro Kilowattstunde kostet, und kann seinen Strom dann als Ökostrom verkaufen. Der norwegische Betreiber muss im Gegenzug die entsprechende Menge seines Ökostroms dann in konventionell erzeugten Strom umetikettieren. Diese für Stromkunden in etlichen europäischen Ländern wenig transparente Umettikettierung ermöglicht das "Renewable Energy Certificate System" (RECS).

STTZ: Machen das alle Ökostromanbieter so?
O.B.:
Alle Ökostromanbieter kaufen Strom aus großen Wasserkraftanlagen, sonst könnten sie nicht zu einem konkurrenzfähigen Preis anbieten. Allerdings investieren die glaubwürdigen, wie z.B. die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) und Greenpeace energy, einen Teil des Strompreises in den Ausbau der Stromgewinnung aus Erneuerbaren Energien oder aus Kraft-Wärme-Kopplung.

STTZ: Wie funktioniert demgegenüber das ÖKOWATT-Konzept der Nürtinger Stadtwerke?
O.B.:
Zunächst einmal: auch die Stadtwerke beziehen für die ÖKOWATT-Kunden regenativ erzeugten Strom aus großen Wasserkraftanlagen.
Allerdings geht der Aufpreis für den ÖKOWATT-Strom an die Stiftung ÖKOWATT-Nürtingen und steht somit für Investitionen in Nürtingen zur Verfügung.
Die Stiftung ÖKOWATT investiert in neue Anlagen zur regenerativen Stromerzeugung, wie zum Beispiel in die Fotovoltaikanlage auf der Mörikeschule, die demnächst erweitert wird. Die Stiftung unterstützt aber auch Projekte zur Reduzierung des Energiebedarfs. Die notwendige Klimawende können wir ja nicht erreichen, indem wir versuchen, die gleiche Energiemenge wie bisher anstatt aus fossilen Brennstoffen und Uran künftig aus regenerativen Energiequellen zu gewinnen. Wir müssen vor allem unseren Energiebedarf verringern! So ist die Ansiedlung der Energieagentur für den Landkreis Esslingen in Nürtingen unter anderem der Initiative der ÖKOWATT-Stiftung zu verdanken. Derzeit diskutiert die Stiftung mit der Stadt und den Stadtwerken, wie die deutschen Klimaschutzziele (20 % Einsparung, 20 % Erneuerbare bis 2020) auch in Nürtingen erreicht werden können.

STTZ: Wie wird der ÖKOWATT-Tarif von den Kunden angenommen?
O.B.:
Wir stellen zur Zeit fest, dass wir mehr Kunden aus dem ÖKOWATT-Tarif verlieren, als neue hinzukommen. Der Ökostrommarkt ist nicht leicht zu durchschauen. Ich halte aber wegen der vorher dargestellten Problematik nichts davon, den Schwerpunkt in der Bewerbung von ÖKOWATT auf den Bezug von regenerativ erzeugten Strom zu legen. Die Vorzüge des Nürtinger ÖKOWATT-Konzeptes liegen vielmehr darin, dass das Geld des Aufpreises für Projekte in Nürtingen zur Verfügung steht. Dies wurde bisher in der Öffentlichkeit zu wenig herausgestellt. Wir haben in den letzten Jahren Projekte im Hintergrund entwickelt, wie die Energieagentur für den Landkreis Esslingen mit Sitz in der Seegrasspinnerei, und möchten nun, nachdem sichtbare Erfolge vorzeigbar sind, unser Konzept verstärkt in die Öffentlichkeit tragen. Die Botschaft lautet: wer ÖKOWATT-Strom der Stadtwerke bezieht, trägt über die Stiftung zur Energiewende hier in Nürtingen bei.

STTZ: Wir danken für dieses Gespräch.


 


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