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Freies Radio für Stuttgart - Flickenteppich oder politische Stimme? - 16.9.2016
Vor zwanzig Jahren wurde das Freie Radio für Stuttgart gegründet

  (pm) Vor zwanzig Jahren wurde das Freie Radio für Stuttgart als ein  ein Zusammenschluss von vielen Stuttgarter Initiativen gegründet. Dieses runde Jubiläum regte das Freie Radio zur Standortbestimmung an. Imnmer noch ist es ein Radio abseits om Main-Stream, ein authentischer nichtkommerzieller Sender.

Was sind wir, wo stehen wir?
Damals, vor 20 Jahren, als wir – also ein Zusammenschluss von vielen Stuttgarter Initiativen mit großer gesellschaftlicher Bandbreite – noch die Welt mit unserem Radio verändern wollten, schrieb Joe Bauer in seiner Kolumne zum Sendestart: »Zukünftig gibt es neben dem Laberfunk noch Betroffenheitsfunk“. Dabei war unser großes Ziel Gegenöffentlichkeit von unten. Die Bildzeitung titulierte uns einmal als „Geheimsender der Terrorkurden“ und bildete dazu die Fernsehantennen auf dem Haus unseres ersten Studios in der Falbenhennenstraße ab. Migrationscommunities versuchten, das FRS als Geschäftsmodell zu nutzen und machen Community-Radio. Für eine eriträische Redaktion waren wir Oppositionsfunk, Castor-Radio verstand sich als Anti-Atom-Funk und der Parkschützerfunk kämpft gegen Stuttgart 21. Betroffenenfunk im besten Sinn – Betroffene bringen selbst ihre eigenen Themen ins Programm, immer noch.

Der Weg dahin war nicht einfach. Auseinandersetzungen zu Weltanschauungs- und Religionsfragen führten zu schmerzhaften Ausscheidungsprozessen. Wir mussten Gruppen ausschließen, andere verabschiedeten sich selbst. Die Zusammensetzung der sendenden Gruppen und damit auch das Plenum sind im ständigen Wandel.

Mit unserer Aufsichtsbehörde Landesanstalt für Kommunikation (LfK) gab es einen langen Kampf um die Empfangbarkeit. Die ursprüngliche Frequenz von 97,2 MHz abgestrahlt mit 100 Watt von einem Gebäude am tiefsten Punkt des Stuttgarter Talkessels taugte nur für ein Übungsradio und es dauerte mehrere Jahre, bis wir eine wenigstens etwas bessere Empfangbarkeit bekamen. Wobei erstmal ein Turmfalkenpärchen das Anbringen der Antenne auf dem Kamin der Müllverbrennungsanlage
verzögerte. A propos Übungsradio – zeitweise mussten wir unsere Frequenz mit dem Hochschulradio der Hochschule der Medien teilen und auch für das digitale Radio waren wir vorübergehend Versuchskaninchen der LfK.

Schwierigkeiten machte auch die Raumfrage. Zweimal mussten wir neue Räume suchen, einmal wegen des Baurechts, einmal kündigte uns der Vermieter. Letztendlich hatte das jedes Mal eine positive Wirkung, nach dem Keller in der Falbenhennenstraße („Kellerfunk“) landeten wir über den 1. Stock in der Rieckestraße in unseren jetzigen großzügigen und hellen Räumen in der Stöckachstraße 16a.

Intern haben wir in den 20 Jahren um unsere Struktur gerungen, ein Zeichen dafür waren immer die Plena und ihre Besetzung. Wobei der Termin seit 20 Jahren immer noch der 1. Mittwoch im Monat um 19:30 Uhr ist. Zeitenweise ging es hoch her im Plenum, Probleme wurden heftig ausgetragen. Seit dem Umzug in die neuen Räume ist es ruhig, vorerst. Schließlich gehören Auseinandersetzungen zu unserem Selbstverständnis.

Was ist aus unserem ursprünglichen Vorhaben geworden? Wir machen nach wie vor zusammen Radio, generationsübergreifend und interkulturell. Manche sind von Anfang an dabei, manche Gruppen erst später eingetreten, manche sind ausgeschieden, neue vor allem junge Radiobegeisterte dazu gekommen – die Bandbreite ist nach wie vor groß.
Erfolgreich haben wir ein Refugee-Radio etabliert, in dem Geflüchtete selbst ihre Themen senden.
Als Aufgabe zugewachsen ist uns die Medienpädagogik – wir sind auch so etwas wie „Schulfunk“. Mit vielen Schulen und Kultureinrichtungen arbeiten wir zusammen, neue Kooperationsmodelle habenwir mit der Jugendpresse und dem Stadtmedienzentren entwickelt.

Was also sind wir? Der Flickenteppich aus den ca. 50 Redaktionen ist bunt und vielfältig. Ein  politisches Muster ist nur stellenweise zu erkennen, nicht einmal die Qualität der Flicken ist einheitlich, und doch bietet er ein ansprechendes Bild. Manche der hohen gesellschaftlichen Ziele vom Anfang sind herunter gebrochen auf machbare, lokale Ziele. Ein durchstrukturiertes Programm mit inhaltlichen Schienen hat sich als unrealistisch erwiesen, die Vielfalt ist unsre Qualität und wird es bleiben – dank der ca 250 engagierten ehrenamtlichen Radiomacher_innen. Wir sind und bleiben ein Radio abseits om Main-Stream, ein authentischer nichtkommerzieller Sender.

In die Zukunft schauen wir optimistisch und freuen uns auf kommende Auseinandersetzungen und Herausforderungen. Und schließlich – was wäre Stuttgart ohne unser selbst gemachtes Radio?

Zum Jubiläum bietet das Freie Radio für Stuttgart spezielle Sendungen.


 


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