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  Kultur
 
Jeder Chanson eine filigrane Miniatur - 29.3.2017
Das Henrik Geidt Duo spielte in der Alten Seegrasspinnerei sein Programm „Beziehungsweisen“

  (to)

Am frühen Samstagabend schlendern zwei Saarländer durch die Nürtinger Innenstadt und nehmen einige Eindrücke auf – wie den von der Kreuzkirche oder den vom „Frühling in der Stadtbibliothek“. Diese fließen etwas später zwanglos in ihr Konzert ein, das sie in der Alten Seegrasspinnerei geben. Die beiden Saarländer waren der Pianist und Sänger Henrik Geidt und der Kontrabassist Jörg Jenner, die an diesem Abend zum ersten Mal mit ihren Chansons im Gepäck Nürtingen besuchten.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Geidt findet die Hölderlinstadt um einiges attraktiver als seine Heimatstadt Lebach, die anscheinend so reizlos ist, dass sie den „Frühling im Gewerbepark“ ausrufen muss, um die Leute auf die Beine zu bringen. Geboten ist dann unter anderem ein gefesselter Hirsch, dargestellt von einem Schauspieler, der vom Publikum gegen Belohnung befreit werden muss. 

Solche Geschichten, die das wirkliche Leben erzählt, saugt Geidt geradezu in sich ein – er, der feinsinnige Beobachter, macht daraus ebenso feinsinnige Lieder, deren Prosa Poesie atmet und bei dem die musikalische Begleitung mehr als Untermalung ist.

Wenn Geidt mit offenen Ohren und Augen durch die Welt spaziert, dann nimmt er nicht zuletzt skurrile Alltagsbegebenheiten wahr: ein Kassiererin im Baumarkt beispielsweise, die dem Kunden das Punkte sammeln aufzuschwatzen versucht, obwohl dieser Kommata und Semikolons den Punkten entschieden vorzieht. Oder: Meppen zur Zeit des Pokémon-Hypes, als selbst Opas auf offener Straße ihren Blick nicht vom Smartphone wenden konnten.

Geidt hat einen untrüglichen Sinn für die kleineren und größeren Deformationen unseres modernen Lebens und deckt darunter Ungeheuerliches auf. Dabei hebt er nicht den mahnenden Zeigefinger, vielmehr geht er mit einer guten Portion Witz und Leichtigkeit zu Werke, wobei die meist eher beschwingte Musik ihren Teil beiträgt.

Kommunikativer Autismus, weltvergessener Narzissmus, geradlinige Optimierungsprozesse, ja selbst die an ein unglaubliches Possenspiel erinnernde Finanzkrise von 2008 geistern durch Geidts Lieder. In diesen  ergreift er Partei für die Tagträumer, die Taugenichtse, für diejenigen, die die Fünf gerade sein lassen oder genauer: die Vier krumm machen.

Geidts Liebe gilt nicht zuletzt den Kindern – genauer: den Kindern, die im freien Spiel ihre Umgebung in ein Zauberland verwandeln, in dem der dankbare Herr Papa seinen Platz als Hofnarr findet. Da für Geidt solche Kinder noch unbeschädigt sind, überrascht es nicht, dass sein jazziger Erziehungsratgeber dem „Weg der Dornen“, dem Nein-Sagen und Aufbegehren also, und nicht der Anpassung das Wort spricht.

Wenn man Geidt hört, kommen einem womöglich bekannte Liedermacher wie Reinhard Mey und an manchen Stellen vielleicht auch Konstantin Wecker in den Sinn. Doch Geidts Kunst bedarf keiner Vergleiche. Daran trägt auch sein Kontrabassist  Jörg Jenner sein Teil bei, der durch sein leichtes Spiel die Wucht seines Instruments vergessen lässt. Ihr Programm ist ein Reigen von kunstfertigen Miniaturen, in denen filigrane Wort-  und Tonfolgen stimmig korrespondieren. Kurz: Ein Chanson-Abend der ganz feinen Art!

 

 


 


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