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Kapitel 2
 

Niemand, nicht einmal seine Frau ahnte, was ihn seit knapp einem Jahr in jeder freien Minute umtrieb; wie er sich maulwurfartig durch den Staub der Jahrhunderte wühlte, den diskrete Mitarbeiter in Bibliotheken und Archiven beschlagnahmt hatten und der sich nun in Form modriger Stapel im Tresor auftürmte; wie er, den muffigen Gilb alter Stammbäume und Urkunden einatmend, in den Strom der Zeit eintauchte, auf der Suche nach der Wahrheit. Noch stand der letzte Beweis aus, andere würden ihn erbringen und damit würde er, Herrmann Kasper, im Lichte seiner großartigen Entdeckung erstrahlen und Unsterblichkeit war ihm gewiss – Ihm, der das Vermächtnis seines fernen Vorfahren – Friede seinen Gebeinen dort oben auf dem Meeresgrund! – wiedergefunden und heimgeholt hatte.
Welch ein Geschenk des Ministerpräsidenten an die ganze Menschheit! Im Hochgefühl seiner Genialität strich Kasper voll zärtlicher Rührung über die kopierten Blätter der „Akte B“ und erschauerte ehrfürchtig, als sein verschleierter Blick auf eine Jahreszahl fiel: 1477.

„GRÜß GOTT, HERR MINISTERPRÄSIDENT!“ Die durchdringend blecherne Stimme kam ohne Vorwarnung über ihn. Alle Posaunen des Jüngsten Gerichts vereint ließen seinen Geist in panischem Erschrecken von soeben noch gefühlter erhabener Größe auf Zwergenstatur zusammenschnurren. Angesichts der weit aufgerissenen Augen seines Landesherrn schien der Eigentümer des überlauten Organs unangenehm berührt.
„Verzeihung, aber i han o’klopft.“ Kaspers Schockstarre löste sich allmählich, während er das Männlein, welches sich vor seinem Schreibtisch aufgebaut hatte, eingehend studierte. Kaum größer als einssechzig und klapperdürr bot es seiner abartig laut quäkenden Stimme nur wenig Resonanzraum. Hervorstachen die tiefrot angelaufenen Segelohren im reizarmen Kontrast zu den ausdrucklosen winzigen dunklen Äuglein, die wie Kümmelkörner tief und tot in ihren Höhlen lagen. Der Kopf wies noch einige wenige graue Haarsträhnen auf, fettig und lieblos auf die Kopfhaut geklatscht. Unter einer steckdosenartigen Himmelfahrtsnase der Mund, ein mürrischer Strich, umrahmt von tiefen Kerben.

Deprimiert streckte Kasper die Hand aus. „Grüß Gott, Herr Gsälzle. Bitte nehmen Sie doch Platz.“ Aufatmend lehnte er sich zurück. „Meine Zeit ist begrenzt, daher lassen Sie mich gleich zur Sache kommen. Laut Ihren Unterlagen waren Sie in unterschiedlichen Dienststellen tätig, zuletzt als Regierungsoberinspektor im Regierungspräsidium Stuttgart, Abteilung 1“, Kasper blätterte hektisch in Gsälzles Dossier.“Referat 14, zuständig für Schornsteinfegerwesen und Katastrophenschutz. Sie sehen nun Ihrer Pensionierung entgegen.“ Gsälzle wollte etwas sagen, klappte aber sofort den Mund zu, als Kasper herrisch abwehrend die Hand hob. „Gerne hätte man Ihnen zum festgelegten Zeitpunkt Ihre Pensionsurkunde überreicht, allerdings stellte die zuständige Behörde fest, dass Sie noch 6 Tage, 7 Stunden und 18 Minuten zu arbeiten haben.“
„Des kann doch net sei!“ trompetete Gsälzle, die roten Ohrensegel schienen empört zu pulsieren. „Wollen Sie etwa die Integrität der Landesregierung in Frage stellen? Also bitte!“, kam es ratternd wie eine Maschinengewehrsalve zurück. „Nein, natürlich nicht, aber ich habe mein Büro bereits geräumt und morgen zieht dort ein neuer junger Mitarbeiter vom Planungsteam Stuttgart-21 ein.“, entgegnete Gsälzles nunmehr erschüttertes Trompetentremolo. An seiner aufgebogenen Nasenspitze zitterte ein Tropfen. Kasper winkte lässig ab. „Sie werden Ihre Restdienstzeit nicht im Büro ableisten. Normalerweise befasse ich mich auch nicht mit solchen Dingen. Nein, ich habe Sie angefordert.“ Gsälzle schluckte und sah aus, als wollte er sich irgendwo verkriechen. „Wieso?“ Kasper lächelte breit und entblößte seine kleinen, leicht nach innen geneigten Haifischzähne. „Ich habe – äh – die Landesregierung hat beschlossen, Sie auf eine besondere, geheime Mission zu schicken. Sie werden in unserem Auftrag nach Borkum reisen.“

Fortsetzung folgt bald


 


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