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Kapitel 8
 

Ein schneidend eisiger Luftzug ließ Gsälzle hochfahren. Sonnenlicht fiel durch das weit geöffnete Fenster. Schleckslis saß aufrecht im Bett und studierte eine Landkarte. Er nickte dem Schwaben zu. „So, der Herr RegierungsOBERinspektor isch auch schon wach. Die Planung überlässt man wohl dem niederen Volk.“
„Bevor Sie im Alleingang unsere Strategie festlegen, sollten wir zuerst frühstücken und danach alles besprechen.“, grollte Gsälzle. Er fühlte sich müde und ausgelaugt, und da war eine Sache, an die er sich erinnern wollte und die sich ihm nun entzog. Etwas war ihm doch gestern aufgefallen. Eine Merkwürdigkeit. Aber was nur?
Kopfschüttelnd sah er zu, wie Schleckslis sich aus dem Bett hievte, ein monströses,
kreischend buntes Hawaihemd und ebensolche Shorts überstreifte und sich ihm angestrengt schnaufend zuwandte. „Warum stehen Sie denn nit auf? Ich hab Hunger!“
„Ich pflege stets geduscht und korrekt gekleidet zum Frühstück zu erscheinen.“
„Wer’s nötig het...“ Schleckslis entschwand.
Als Gsälzle endlich die Frühstückszone im Wintergarten betrat, wäre er fast mit Frau Akkermann zusammengestoßen, die ein großes Tablett mit Kaffee und Brötchen balancierte. Am rechten Tischchen thronte der zeitungslesende Bayer, am linken Anton Schleckslis, der sich gerade ein honigtriefendes Croissant ins Karpfenmaul stopfte.
„Da ist ja auch unser anderer Schwabe! Moin moin !“, rief Frau Akkermann fröhlich und strahlte auf Gsälzle herab. Von Schleckslis kam ein würgendes Geräusch, seine Augen traten noch weiter hervor, während er sich mit dem Herunterschlingen des viel zu großen Gebäcks abmühte. „Ich bin Badener!“, protestierte er empört.
Sie lachte. „Wo ist denn da der Unterschied? Verstehen tut man euch beide kaum, und der Dialekt ist doch derselbe!“
„Ha nai!“
„Ha noi!“
Der Bayer grinste in seine Zeitung und spielte gedankenverloren am Griff seines Spazierstocks, der neben ihm am Tisch lehnte. Gsälzle fasste sich als erster. „Sie haben die Akten durchgelesen. Eine Idee, wie wir heute vorgehen?“
Schleckslis wiegte seinen Kugelkopf und rieb sich genüsslich die Hände.
„Am besten, wir beginnen im Heimatmuseum, da gibt es sicher ein Archiv. Wir fahren um 8 Uhr 45 mit dem Bus, ich hab mir auf der Karte alles angesehen.“

Wenig später saßen in einem Bus zwei Herren, der eine in Anzug und Krawatte, der andere in ein mit grellfarbenen Papageien und Ananas bedrucktes Hawaidress gewandet.
Vorbei am Hauptbahnhof, einer Fußgängerzone, links ein wuchtiger alter Leuchtturm, langgezogene Ziegelhäuser. Dann ging es über Wiesen hinaus zu einer direkt an die Dünen grenzende Landgaststätte. „Endstation Nordstrand! Aussteigen!“, rief der Busfahrer.
So begannen die beiden, auf einem eingetretenen Pfad die mit Dünengras bewachsenen Hügel zu erklimmen.
„Sind Sie sicher, dass hier noch ein Museum kommt?“, fragte Gsälzle zweifelnd. Der Dicke winkte ab.
„Ach was, ins Museum können wir noch heut Abend. Wenn wir schon hier sind, schauen wir uns auch die schönen Strände an. Machen wir einfach das Beste aus diesem idiotischen Auftrag! Wer weiß, vielleicht stoßen wir ja auf ein paar nette Käfer?“ Schleckslis wieherte.
Gsälzle erstarrte. „Was ist denn das für eine Dienstauffassung? Sie hatten also nie vor, heute morgen ins Museum zu gehen! Statt dessen planen Sie heimtückisch einen Badeausflug!?“
Schleckslis hielt sich die Ohren zu. „Warum schreie Sie immer so? Bi dem Wetter hockt man nit ins Museum. Wir schreibe einfach in unseren Bericht, dass wir am Strand nach dem Wrack getaucht sind! Der Kasper isch so ein Seggl, der kauft uns alles ab.“
„Ich verbiete Ihnen, so über den Herrn Ministerpräsidenten zu sprechen!“
Mittlerweile stapften sie über den Sandstrand auf eine Gruppe Strandkörbe zu.
Der Badener zwängte sich in den ersten besten, legte die Beine hoch und ließ ein zufriedenes Grunzen ertönen. „Genießen Sie doch die gesunde Meeresluft.“
„Na gut, eigentlich bin ich ja schon fast in Rente.“, lenkte Gsälzle ein, lockerte die Krawatte und setzte sich in den benachbarten Strandkorb. „Aber am Nachmittag gehen wir noch ins Museum.“
„Morgen reicht auch noch,“ erwiderte Schleckslis und machte sich an seinem Fotoapparat zu schaffen, den er einer Umhängetasche, die er bei sich trug, entnommen hatte. Er holte ein recht ansehnliches Objektiv hervor und schraubte es fest. „Hier gibt es übrigens auch ganz interessante Dinge zu recherchieren.“, fuhr er fort und schnalzte mit der Zunge.
„Was denn, hier?“, wunderte sich Gsälzle. „Was gibt’s denn so besonderes an diesem Strand?“
„Das ist ein FKK-Strand!“, tönte eine fremde, nordische Stimme. Wie aus dem Boden gewachsen hatten sich zwei stämmige, stark behaarte und muskelbepackte Nackte vor ihnen aufgebaut. Aus den übrigen Strandkörben stürmten weitere unbekleidete Männer und Frauen hinzu.
„Ich habe alles gehört!“ schrie eine stabile Walküre und zeigt auf die beiden. „Das sind Foto-Spanner!“
„Aber noi! I wois von gar nix!“, verteidigte sich Gsälzle und schlug die Hände vors Gesicht.
„Schissdreck!“, entfuhr es dem Badener.
„Ausziehen!“ , tönte es im scharfen Kommandoton. Jeweils zwei Männer packten Gsälzle und Schleckslis bei den Armen, während die Frauen sich johlend an den Hosenbeinen zu schaffen machten. Im anschließenden Tumult gelang es beiden jedoch, sich loszureißen und die Flucht zu ergreifen. So sah man im strammen Schweinsgalopp einen kleinen, schmalen Herrn in viel zu großem, um die Zahnstocherbeinchen schlotternden Doppelripp, gefolgt von einem japsenden Dicken, dessen äußerst knapp sitzender Slip von gewaltigen Pobacken fast verschlungen zu werden drohte. Hintendrein jagte eine grölende nackte Menschenmeute, die inzwischen auf ein gutes Dutzend angewachsen war.
Die beiden Herren erkletterten atemlos eine grasbewachsene Düne. Panisch blickte Gsälzle über die Schulter und stellte erleichtert fest, dass die Nackten am Strand zurück geblieben waren und lachend auf ihre Strandkörbe zusteuerten.
„Gott sei Dank!“, stieß er keuchend hervor. Dann blickte er erschrocken an sich herunter und gewahrte seine wehende Doppelripp. „Oh noi, so a Schand!“
Suchend glitt sein Blick über die Dünenlandschaft. „Schleckslis?“ Doch er stand alleine da.
„Hier, zum Schissdreck noch mal!“, klagte es dumpf zwei Meter neben ihm aus der Erde.

Fortsetzung folgt...


 


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