Forum

  Nachrichten
Kommunalpolitik
Politik
Umwelt
Kultur
Stattzeitung aktuell
Sport
Nürtingen global
Jugend
Personalia
Verkehr
Arbeitswelt
Soziales
Geschichte
Bauen
Presseschau
Wirtschaft
Kurznachrichten
Zukunftsfähiges NT
NTegration
Veranstaltungstipp
Foto der Woche
EssBar
LesBar
Leserbriefe

  
Terminkalender
Veranstaltungen
Ausstellungen

  
Kulturtipps
Kneipentest
Bücher
Filme
Musik
Lyrik
Reisen
Hörbücher
NTouren
NThörBar
Musikmachende

  Schatzkästle
Fotogalerie
Fortsetzungsroman
Links
Was kochsch du?
Gabi Zapf (Roman)
Fundgrube
Rundschlag
Jahreszeiten
Hausmittel

  Über uns


 
 
Kapitel 12
 

Erschüttert verharrte Schleckslis vor einem drei Meter langen Walpenis.

Gsälzle zerrte ungeduldig am Ärmel des badischen Papageienhemdes.

"Des gehört nicht zu unseren Ermittlungen. Wir haben durch Ihre Schuld schon genug Zeit verschwendet."

Schleckslis Fischmaul zuckte. "Sie haben keinen Sinn für die Schönheiten und Wunder der Natur, des hab ich bereits am Badestrand bemerkt. Sie, mit Ihre eklige Krabbelkäfer..."

Erzürnt begannen Gsälzles Ohrensegel zu pulsieren. "Ich lass meine Käfer net von Ihne in de Dreck ziehe, Sie...Sie Pornograph!"

Er drehte sich um, stürmte an einer ostfriesischen Wohnstube des 18. Jahrhunderts vorbei und gesellte sich im größten der Ausstellungsräume zu einer Besuchergruppe, die sich um einen Museumsführer geschart hatte.

"... so können wir heute sämtliche Gerichtsurteile und Vergehen vom 15. bis zum 17. Jahrhundert lückenlos in dieser Abschrift von 1810 nachlesen."

"Was het er grad gsait?", flüsterte der gemütlich herbeigeschlenderte Schleckslis einem älteren Herrn mit karierter Schirmmütze ins Ohr. Der zuckte zurück, zog ein Taschentuch aus dem Hosensack und rieb sich das Ohr trocken. Irritiert schielte er dabei nach dem Badener, dessen gierig aufgerissene Glubschaugen ihn aufzusaugen drohten.

"Wat reden Sie da, juter Mann?" Aha, ein Ruhrpottler.

"Er moint, was der zum Schluss gsagt hot.", versuchte Gsälzle zu dolmetschen.

"Dat wird ja immer konfusa!" Die Schirmmütze sah sich hilfesuchend um.

"Wir haben den Vortrag nicht ganz verstanden.", steigerte sich Schleckslis nun zu einer Glanzleistung in Hochdeutsch.

"Also in diesem Buch auf dem Pult dort" -, der Westfale zeigte auf ein altes Stehpult, das hinter einer mit Kordel abgesperrten Barriere stand, - sind die ganzen Straftaten, Täter und Urteile bis zum 17. Jahrhundert niedergeschrieben. Meist waren das Schiffsplünderungen, die haben nämlich oft als Strandpiraten ihren Zusatzverdienst gehabt. War ja sonst ziemlich tote Hose hier mit Lebensunterhalt, nich!" Der Ruhrpottler redete sich langsam warm. "Fischen und Landwirtschaft hat alleine kaum die Mäuler alle gestopft, ham ja Kinder wie die Karnickel damals gekricht!" Doch die beiden süddeutschen Herren hatten sich bereits wieder abgewandt. "Wir könnten anhand dieser Chronik, oder was des isch, die Namen der damaligen Piraten rauskriega, einer hot vielleicht des Brezelrezept erbeutet." Er kramte in dem dicken Umschlag, den er die ganze Zeit unter dem Arm getragen hatte. "Also des Schiff, mit dem der Bäcker nach England wollte und hier abgsoffe isch, hieß "Little Daisy", des hot unser Herr Minischterpräsident schon ermittelt." In seiner wachsenden Erregung fiel Gsälzle endgültig seinem knarrenden schwäbischen Idiom anheim.

Die Besuchergruppe war mittlerweile auf dem Weg in den nächsten Raum.

"I lug mol nooch.", sprach der Badener und überraschend sportlich bückte er sich unter der Kordel hindurch, schlich an das Pult und machte sich daran, das große, dicke Buch mit dem verschnörkelten Einband zu öffnen.

"Nu kiek de Düvel an!" donnerte eine tiefe drohende Stimme. Ein Schlachtschiff von einem Mann mit Lotsenmütze und Backenbart duchpflügte den Raum. "Das is ja man ein starkes Stück!" Jürgen Püttjer, Hausherr und Museumsleiter, Ex-Krabbenfischer, Ex-Oberbootsmann auf der MS Bremen, ostfriesischer Seniorenmeister im Sackhüpfen und Boxen, abendlicher Türsteher und Rausschmeißer im Inselkasino, glänzte heute durch die Entfernung zweier süddeutscher Subjekte aus dem geschändeten Allerheiligsten der Inselhistorie. Er hatte beide am Kragen gepackt und schleifte selbst den schweren Schleckslis mit unerhörter Leichtigkeit vor die Tür.

"Hausverbot für euch Butenkeerle! Und für die Führung habt ihr auch nicht gezahlt!"


 


Anzeigen




Impressum
© 2004-2017 Nürtinger STATTzeitung