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Kapitel 13
 

„Und was jetzt?“, ratlos tastete Gsälzle über die Haarsträhnen, die in exakt paralleler Anordnung als fettig graue Spaghetti sein sich heimlich lichtendes Haupt bedeckten.
Schleckslis hatte sich ächzend in einen der Rattanstühle im Außenbereich der Pizzeria gezwängt, mit Blick auf die rührige Fußgängerzone, die sich vom Bahnhof bis zur Strandpromenade erstreckte. Die Armlehnen knarzten bedrohlich, vom badischen Papageien-und Ananasbewehrten Hinterteil grausam aus der Form gebracht. Schleckslis schmatzte anerkennend. „Dass die hier oben auch badischen Wein haben!“ Sein Wurstfinger tippte auf die Getränkekarte. „Ein Württemberger ist ja leider nicht dabei, aber da haben die Ostfriesen wohl Glück gehabt.“
„Müsset Sie schon wieder saufa!“, giftete Gsälzle und nippte an seinem Mineralwasser, „wenn wir wege Ihne unser Spesenkonto überziehen, wird der Herr Ministerpräsident...“
"...spare und eine Woch lang die Brezel ohne Butter esse.“, ergänzte Schleckslis und orderte per Handzeichen ein weiteres Glas Kaiserstühler Spätburgunder.
„Wir müsse irgendwie an den Inhalt vun dem Buch komme. Des heißt: noch mal ins Museum.“
Gsälzle verzog schmerzlich die dünnen Lippen. „Es langt, wenn wir ein paar Seiten abfotografieren...“
Plötzlich entstand Unruhe am Nebentisch. Ein Zweieinhalb-Zentner-Bäuchling in Shorts und mit freiem stark behaartem Oberkörper, in der Rechten die Bildzeitung, in der Linken ein zerschlissenes, ehemals weißes Unterhemd, nahm unter lautem Stühlerücken neben ihnen Platz. In seinem Schatten bewegte sich eine kleine, dünne, schwarzhaarige Frau im roten Kleid und verhärmtem Gesichtsausdruck. Zum Gefolge gehörte auch ein gewaltiger Hirtenhund, welcher sich sogleich an Gsälzles Schuhwerk zu schaffen machte. „Keine Angst, der tut nchts!“, polterte der Bäuchling.
„Benji, komm her!“ Benji ignorierte den scharfen Kasernenton seines Herrchens und trottete schnüffelnd in entgegengesetzter Richtung weiter.
„Die Idee mit dem Fotografieren isch gut.“, lobte Schleckslis.
„Aber wir haben praktisch Hausverbot im Museum.“, gab Gsälzle zu bedenken.
„HABT IHR DAS SCHWIMMBECKEN FERTIG!“, brüllte es am Nebentisch. Der Bäuchling hatte ein Handy ans Ohr gepresst.
Gsälzle rieb sich die Stirn. „Wir müssen...“
„WAS, IHR HABT NUR 12 SILIKONKARTUSCHEN GEBRAUCHT!“
Die Bedienung trat hinzu und durfte an des Bäuchlings Telefonat mit seiner Baustelle teilhaben. Schleckslis seufzte.
„EGAL; ICH HAB SCHON 20 AUF DIE RECHNUNG GESETZT! – Schatz, nimm mal die Krabben, die magst du doch.“ Schatz öffnete den Mund und schloss ihn resigniert wieder, denn der Bäuchling hatte sich bereits abgewandt. „Benji, Komm sofort her! –
Wir nehmen zwei Weißwein und zwei Pils, aber das Pils nicht im Humpen!“
„Humpen?“, die Bedienung schien irritiert. Der Bäuchling ging nun zur Zeichensprache über. Seine grobschlächtigen Pratzen versuchten, einen Kelch nachzubilden. „So etwas! Nicht so!“ Nun schlossen sich die Hände um den imaginären Griff eines Bierkrugs.
Seine stumme Begleiterin hatte inzwischen einen intensiv leidenden Gesichtsausdruck angenommen.
Gsälzle hob die Hand. „Bringet Sie mir auch von dem Rotwein, bitte.“
Eine Pause trat ein.
Zur allgemeinen Erleichterung streifte der Bäuchling sein Hemd über, als die Getränke serviert wurden. Abwechselnd nippte er an Weißwein und Pils, dann entfaltete er mit großer Geste die Bildzeitung.
Gsälzle nahm einen großen Schluck Rotwein. Er rückte dicht an Schleckslis heran und flüsterte verschwörerisch:“Wir ganget noch mal nachts ins Museum und fotografiere des Buch ab!“
Schleckslis Fischmaul zuckte:“Heimlich?“
Der Schwabe hob erneut sein Glas. „Heimlich!“


 


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