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Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford
 

Wie es sich für einen US-Helden gehört, gibt es schon eine beachtliche Anzahl Verfilmungen, die versuchen das Leben des Südstaaten-Rebellen Jesse James darzustellen, der 1882 von seinem eigenen Mann Robert Ford ermordet wurde. Das ist nicht ganz einfach, denn Legenden werden oft idealisiert und die Wahrheit ist häufig ernüchternd und auch nicht immer filmreif. Fest steht lediglich, dass Jesse und sein Bruder Frank als Südstaaten-Guerilla-Kämpfer aus dem Bürgerkrieg mit alten Anhängern einfach mit Überfällen weiter machten - eine Gang, die statt politischer Ziele zunehmend nur noch den kommerziellen Aspekt im Sinn hatte. Vorwiegend Banken und Eisenbahnzüge waren die Opfer. Die Tatsache, dass dabei die kleinen Bürger meistens unversehrt davonkamen und James ein Gegner der Nordstaaten war, brachte einen Teil der Bevölkerung dazu Sympathie für die Bande und besonders für Jesse James als deren späteren Kopf zu entwickeln. Im heutigen Verständnis war James definitiv ein Star. Beim letzten großen Überfall auf die Eisenbahn 1881 waren die alten, treuen Gefolgsleute längst durch ein paar dahergelaufene Männer ersetzt worden und Bruder Frank James kurz vor dem Ausstieg aus dem Banditenleben. Jesse James war damit der alleinige Führer der Gangster, denen er im Gegensatz zu den früheren Kriegskumpanen kaum trauen konnte. Genau hier setzt der aktuelle Kinofilm ein und beschreibt die letzten Monate im Leben des Jesse James.

Mittels eines Erzählers, der immer wieder die exakten Befindlichkeiten der Protagonisten zum Ausdruck bringt, wird man größtenteils aus der Sicht des späteren Verräters und Mörders Robert Ford, gespielt von Casey Affleck, zum unausweichlichen Ende des vermeintlichen Helden geführt. Im Grunde ist der Film eine Psychostudie über Moral, Loyalität und Heldentum. Der Fokus liegt darauf, wie der angeschlagene Bandenführer mit seinen Leuten umgeht, diesem zusammengewürfelten Haufen ganz unterschiedlicher Männer. Besonders die Beziehung zu Robert Ford, seinem 19jährigen Verehrer, der alles daran setzt, seinem Idol zu folgen, zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung. Ford macht mehr den Eindruck eines Dandys, als den eines brutalen Gangsters. Dennoch fühlt er sich durch die ambivalente Präsenz des Jesse James auf fast schon lächerliche Art angezogen. Er ist so benebelt, dass er meint, es ist eine Art Schicksal, dass er und James die gleiche Körpergröße haben. Dem jungen Naivling scheint nichts mehr zu helfen. Der Zuschauer ahnt allerdings, dass diese Sympathie, ja fast schon Liebe, auch in Verrat umschlagen kann. Als sein großes Idol ihn vor versammelter Mannschaft lächerlich macht, wie es sonst alle tun, keimt in ihm der Wunsch etwas Großartiges zu tun und es allen zu zeigen. Damit ist die Ermordung des Bandenführers schon so gut wie geplant. Faszinierend wird der lange Film in der letzten Stunde, wenn James zunehmend der Gedanke plagt, seine Leute könnten ihn verraten. Er verlässt sich auf Einzelgespräche um herauszubekommen, was hinter seinem Rücken gedacht wird. Die Anspannung und Intensität in diesen Momenten ist gewaltig. Kleinste Regungen können ein mentales Erdbeben auslösen. Jetzt ist dem Film zuträglich, was zu Beginn fast Kopfschütteln auslöste: das Tempo. Bedächtiger kann man die Handlung nicht mehr entwickeln. Jede Kleinigkeit wird ausgekostet, ähnlich, wie es der Klassiker „Spiel mir das Lied vom Tod“ schon bravourös tat. Das hat den Vorteil, dass man langsam hineingezogen wird und die Charaktere nicht nur sieht, sondern auch fühlt. Und fühlen kann man vor allem diesen Jesse James, dem Brad Pitt ungeheuer viel Leben einhaucht. Unberechenbar, klug, nett aber gemeingefährlich und wenn es sein muss brutal.

Die beste Leistung von Brad Pitt seit einigen Jahren. Menschen, die sich nicht entscheiden können zwischen gut und böse, charmant und eklig, umgänglich und verrückt, sind seine absolute Stärke. Das hat er schon in „Fight Club“ und „Twelve Monkeys“ bewiesen. Ein bisschen Wahnsinn muss die Rolle haben, damit Brad Pitts Können richtig zur Geltung kommt. Für die „Ermordung Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ braucht man etwas Geduld. Er kommt nicht ohne Szenen aus, bei denen man unwillkürlich etwas vorspulen möchte. Irgendwann gewöhnt man sich daran und wird dieses Psychodrama und mit Sicherheit die Supreme-Performance von Brad Pitt und Casey Affleck in bleibender Erinnerung behalten. Pitt hat dafür zu Recht 2007 in Venedig den Darstellerpreis erhalten.

USA 2007, D.: Andrew Dominik, Ron Hansen, R.: Andrew Dominik

(Radio Neckar - Supreme im Freien Radio für Stuttgart)

 


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