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  Filme
 
„Aus dem Leben eines Schrottsammlers“
 

Meine Freundin lud mich heute in einem Film ein. Er heißt: „Aus dem Leben eines Schrottsammlers“ und handelt von einer Begebenheit in Bosnien und Herzegowina. Der Film erzählt, was die Familie, die in diesem Film ihre Geschichte nachspielt, erlebt hat und teils jeden Tag erleben muss.

In einem kleinen Dorf, einer Roma-Siedlung, in der Nähe von Tuzla wohnen Nazif Mujić und Senada Alimanović mit ihren zwei Töchtern, der Fernseher läuft den ganzen Tag, außer wenn der Strom abgestellt ist. Wenn es kalt wird in der ärmlichen Behausung geht Nazif in den Wald und fällt einen Baum, den er dann zu Brennholz verarbeitet. Ansonsten sammelt er Schrott, teils von alten Müllplätzen. Senada macht so lange ein Essen und die Kinder schauen fern oder spielen in der Wohnung.

Eines Tages liegt Senada auf dem Sofa, als Nazif heimkommt. Sie hat Schmerzen im Bauch, verliert Blut. Schließlich fahren sie zusammen mit ihren Kindern nach Tuzla ins Krankenhaus. Dort wird festgestellt, dass Senada seit drei Tagen ein totes Baby im Bauch trägt, man muss so schnell wie möglich operieren. Doch die Familie hat keine Versicherung und die Ärzte werden nur aktiv, wenn die Familie knapp tausend Mark zahlt, Weisung vom Chef. Die hat Nazif aber nicht. So fahren sie unverrichteter Dinge zurück. „Warum straft Gott die Armen?“ murmelt Nazif.

Als sich die Situation zuspitzt, fahren sie noch einmal nach Tuzla in die Klinik. Aber die Order vom Chef des Krankenhauses lautet: Die totkranke Senada wird nur operiert, wenn vorher gezahlt wird. Nazif bittet verzweifelt um Erbarmen, doch es nützt nichts. Auch die Sozialfürsorge und eine Roma-Hilfsorganisation können der Familie nicht helfen. Ein drittes Mal will Senada nicht mehr nach Tuzla, sie will auf dem Sofa bleiben. Auch springt der alte Opel Kadett nicht mehr an, auch Anschieben nützt nichts.

Schließlich fährt Nazif mit seiner Frau in einem von einem Nachbarn geliehenen Auto in die serbische Zone. Im Krieg hatte Nazif gegen „die Serben“ gekämpft. In der serbischen Zone erbittet er sich von einer Schwägerin deren Versicherungskarte und fährt in das dortige Krankenhaus. Es klappt, die serbischen Ärzte prüfen auch nicht so genau nach. Die Frau wird operiert und nun braucht sie „nur“ für 60 Mark Medikamente. Die erarbeitet sich Nazif, indem er eines der schrottreifen Autos zerlegt, das in der Siedlung herumsteht, mit Hilfe anderer Bewohner, nur mit Axt und Vorschlaghammer. Den Schrott laden sie in einen alten VW-Bus und verscherbeln ihn, das reicht für die Medikamente. Ein weiteres zerlegtes Auto reicht für den Strom, der abgeschaltet worden war. Das ärmliche Leben kann weiter gehen.

Der Film verzichtet auf Kommentar, man kann nur über Untertitel den Gesprächen dieser wahren Geschichte folgen. Die Qual des latenten Rassismus und der daraus resultierenden bitteren Armut Tag für Tag, die Unmenschlichkeit selbst Todkranken gegenüber, der zähe Wille, daraus das Beste zu machen, findet – bewusst nüchtern dargestellt - über die Handlung ihren Ausdruck. Nichts ist überspitzt, nichts überzogen dargestellt. Niemand der Zuschauer im Raum dürfte dem Paar wegen der falschen Versicherungskarte „Versicherungsbetrug“ vorwerfen, der mit aller Konsequenz "des Gesetzes" exekutiert werden muss, denn sie kennen die Vorgeschichte und spüren die stumme Anklage, die nicht nur Tuzla betrifft, nicht nur weit weg ist.
Aber im Kino waren nur zwei Zuschauer, meine Freundin und ich.

Aus dem Leben eines Schrottsammlers, Bosnien und Herzegowina, Frankreich u. a. 2013. Drehbuch und Regie: Danis Tanovic. 77 Min.

 


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