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  NTouren
 
Im Oberensinger Lummerland zum Gipfel der Keltergärten
  Wo gibt es denn sowas? Einen Berg hinaufgehen und dann tief in der Geschichte stecken? In Oberensingen geht das. Noch dazu lustwandert man in einer ruhigen, geheimen Ecke des Nürtinger Stadtteils mit schönen Ausblicken.

Hinter den Oberensinger Keltergärten liegt, gut versteckt, ein kleines Landstück, das wir auf dieser NTour besuchen. Die Keltergärten liegen nahe der Ortsmitte, gut sichtbar vom Lindenplatz aus. Trotzdem werden sie gerne übersehen, weil der Blick auf der Straße und dem dortigen Treiben haftet. Noch viel weniger Aufmerksamkeit als die Keltergärten erhält das Gelände dahinter.

Wir starten in der Ortsmitte von Oberensingen, am Lindenplatz, an der Bushaltestelle nach Wolfschlugen/Stuttgart. Auf dem Gehweg gehen wir entlang der Stuttgarter Straße in Richtung Wolfschlugen und biegen hinter der Bäckerei in die Straße „Am Kelterberg“ ab. Es geht ein Stück steil bergauf, rechts gehen wir direkt an den schönen alten Terrassenhängen des Kelterbergs vorbei, die sich in Privatbesitz befinden und öffentlich nicht betreten werden dürfen. Die Augen dürfen trotzdem daran weiden.

Nach der Hausnummer 16 biegen wir rechts in einen Hohlweg ein. Der Weg ist so schmal, dass Autos nicht durchkommen. Man streift die schnelle Zeit an den seitlichen Böschungen ab und taucht in eine andere Welt ein. Keine zehn Minuten vom Lindenplatz entfernt sind wir in einem kleinen grünen hügeligen Paradies aus Stückle und Obstbaumwiesen.

Unser Weg durch diese Oase führt in Kurven Letzen Endes zum Oberensinger Wohngebiet Burgäcker. Zuvor machen wir aber noch ein paar interessante Abstecher: Der erste beginnt gleich links, macht bald eine Kurve nach links und endet in einer Senke. Es ist ein Grubenloch, hier stecken wir tief in der Oberensinger Ortsgeschichte.

Das „Oberensinger Lummerland“, wie wir es scherzhaft in der NTour nennen, ist in Wirklichkeit ein ehemaliges Steinbruchgelände. Als in diesen Steinbrüchen gearbeitet wurde, war Maschinenarbeit noch nicht in Mode. Schaufel um Schaufel wurden in Handarbeit ganze Berge bewegt, um an begehrte Sandsteine zu kommen, die in der Erde lagerten. Mit viel Schweiß und Schinderei entstanden so diese niedlich anmutenden Hügel und Senken. Es war eine sehr, sehr anstrengende Arbeit, die meisten Arbeiter wurden weder alt noch reich. Die Grubenbesitzer hatten bei beidem deutlich bessere Chancen. Heute ist Gras über die Sache gewachsen, den Oberensingern ist der Spitzname „Sandhasen“ geblieben. Außer dem Steinbruch am Kelterberg gab es noch sehr viele andere in der Nähe.

Zurück auf dem Hauptweg gehen wir nur ein kurzes Stück weiter und machen den nächsten Ausflug, diesmal nach rechts, auf einen Abraumhügel. Ein holpriger Schotterweg führt uns bergauf. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie es gewesen sein mag, das Erdmaterial aus der Grube durch Muskelkraft hier hochzuschleppen. Den ganzen Tag, die ganze Woche, die sechs volle Tage hatte.

Oben angekommen liegt uns der Ortskern von Oberensingen fast greifbar zu Füßen. Im Ort wuseln alle rum wie die Ameisen, aber raufschauen zu uns tut niemand. Wir sind auf dem Gipfel der Keltergärten, die jeder sieht, aber niemand wahrnimmt. Hier ist es wie in einem Versteck zwischen Erde und Wolken, ein schönes Gefühl und eine tolle Aussicht. Auch auf die Nürtinger Stadtkirche hat man einen guten Blick.

Wir gehen wieder zum Hauptweg, biegen aber gleich wieder nach links ab, in eine weitere Senke. Diesmal ist fast kein Weg erkennbar. Wenn man sich links hält, sieht man schon bald einen komischen größeren Stein, der aussieht wie ein kuscheliger grüner Sitzhocker. Es ist ein zurückgelassener alter Sandstein, der mit Moos bewachsen ist.

Der Hauptweg zieht kurvig bergauf. Kurz vor der Teerstraße beim Wohngebiet geht ein Wiesenweg nach rechts fast ebenerdig zu einem weiteren Aussichtspunkt auf Oberensingen und Nürtingen, den man sich natürlich auch nicht entgehen lassen sollte.

Wir machen uns auf den Heimweg und wenden uns dem Wohngebiet zu. Kurz vor der Ulrich-von-Ensingen-Straße drehen wir uns um und schauen zurück auf unser „Wandergebiet“. Von hier aus sieht das Aichtal aus wie ein riesiger Urwald. In Wirklichkeit haben die Furchen des Geländes den Alltag mit den Straßen und den vielen Autos einfach verdeckt.

Über die Ulrich-von-Ensingen-Straße und die Straßen „Beim Jägerhaus“/“Am Leurenberg“ gehen wir immer bergab zurück zum Lindenplatz. Auf dem Weg stehen noch einige besonders kleine alte Häuser aus mageren Zeiten.

Kurzbeschreibung:
Wanderung durch Wiesen/Obstwiesen/Ortschaft. Normale Gehzeit etwa 30-45 Minuten ohne Pausen. Meist Schotterwege, auch steil und holprig. Teilweise Wiesenwege. Für Kinderwagen/Rolli nicht unbedingt geeignet.

Einkehrmöglichkeiten:
Gerds Linde, direkt auf der Tour, am Lindenplatz (nur abends, nur Getränke, nur nette Leute, nur gute Musik)
Café Stoll, Stuttgarter Straße

Anmerkungen:
- Der direkte Weg durch das ehemalige Steinbruchgelände ist Teilstück des Wanderweges „In Hölderlins Landschaft“.
- Die Anlage Keltergärten wurden nach Aufgabe der Steinbrüche auf dem Abraumberg angelegt, man versuchte den Hang nutzbar zu machen.
- Als Stückle bezeichnet man ein Grundstück, das in der Freizeit betrieben wird. Das kann eigentlich alles sein, von der Wiese über Acker bis zum Wochenendgrundstück.
- Als Paradies kann man das Gelände nur schwer bezeichnen, wenn man sein dortiges Wiesle mähen muss.
- Unter Lummerland versteht man ein kleines, freundliches Land, das gerne als fiktives Beispiel herangezogen wird.

Literaturtipp zu den Sandsteinbrüchen in Oberensingen:
Oberensingen – Beiträge zur Ortsgeschichte, Band 2, in der Stadtbücherei ausleihbar. Das Buch ist sehr empfehlenswert, Band 1 auch.

 


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