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  Gabi Zapf (Roman)
 
Folge 12
 

Wir erinnern uns: Gabi erzählte ihrer Freundin Chris, daß sie im Traum ihre Chefin erpresst hat. Plötzlich stand ein unerwarteter Gast vor der Türe. Es war der Weihnachtsmann. Nein, eigentlich war es die Weihnachtsfrau, Brigitte war extra aus Berlin gekommen, um ihre Freundinnen zu foppen. Ihren Besuch hat sie dann auf unbestimmte Zeit verlängert.

Es ist eine bitterkalte, dunkle Februarnacht. Gabi sitzt chic eingewickelt auf dem Beifahrerinnensitz von Brigittes metallicgrünem Audi 100 und läßt sich sanft die Landstraße in Richtung Kirchheim entlangschaukeln. Leise pulsiert die kraftvolle Musik von Melissa Etheridge aus dem Casi, im Auto ist es mollig warm. Während Gabis Blick die hügelige Landschaft streichelt, die vom kalten Mondlicht in die eines fremden silberblauen Planeten verwandelt wird, läßt sie ihre Gedanken schweifen. Im Januar ist sie zur Abteilungsleiterin befördert worden. Meissen, der bisherige Abteilungsleiter, at die Stelle von Gabis früherem Chef an der LG in Stuttgart bekommen, der den Verlust seines Katers nie ganz verschmerzt hat. Er konnte seinen Beruf nicht mehr fortführen. Mit der Abfindung von der Bank und dem nebenher Zusammengeklauten hat er sich in der Toscana einen alten Bauernhof gekauft und züchtet jetzt mit seiner Freundin Schafe. Ja, so ist das.
„Willst du dich mit deinem ersten eigenen Auto jetzt persönlich am Waldsterben beteiligen?“ Chris reißt sie aus den Träumen. Gabi dreht sich zu ihr um. Brigitte schaut lächelnd in den Rückspiegel und kontert: „Du darfst gerne aussteigen und nach Kirchheim laufen. Vielleicht bist du dann nächste Woche dort, wenn wir wieder kommen. Außerdem braucht deine alte Rostlaube so viel Spritt, daß du damit nicht mehr nach Kirchheim fahren kannst, seit die Tankstelle in Reudern dicht gemacht hat.“ - „Ich kann mir aber kein anderes Auto leisten, im Moment jedenfalls.“- „Zu was brauchst du überhaupt ein Auto?“ Brigitte dreht den Spieß um, „du kannst doch mit dem Zug zur Arbeit fahren, das ist doch eine prima Verbindung nach Stuttgart.“ Nach einem tiefen Seufzer beginnt Chris sich zu verteidigen: „Ja, dann müßte ich mich aber von Andi trennen,“ sie zieht ihren blonden Jüngling noch ein wenig fester an sich, „weil ich nach Mitternacht nicht mehr von Köngen nach Raidwangen komme. Und was nützt mir ein Freund, wenn ich mich nicht mehr stundenlang auf seinem Sofa räkeln kann?“ Mit lautem Gegacker mischt sich Gabi in die Unterhaltung ein: „Räääkeln, haha, das ist aber elegant ausgedrückt,“ witzelt sie. Somit hat die Konversation wieder die friedliche Kurve gekriegt. Es lohnt sich nicht, sich in einem Auto über das Thema Waldsterben zu streiten, in dem vier Menschen mitten in der Nacht unbedingt von Nürtingen nach Kirchheim müssen. Aber Chris kümmert das nicht mehr, sie versucht gerade wieder ihre Zunge mit der von Andi zu verknoten.
„Aussteigen!“ schreit Gabi. Ja, sie sind da. Alles hat mal ein Ende. Während sie die Stufen zur Tür des alten Hauses hochsteigen, hakt sich Brigitte bei Gabi unter und spricht ihr zu: „Nur Mut, hier werden wir schon sehen, was wir sehen.“


 


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